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John Sinclair – Edition 2000 VERSUS John Sinclair (1981-1991)

Genre: Horror-Trash
Autor: Jason Dark

John Sinclair – Edition 2000 ( Lübbe Audio & Wortart)
seit 2000 | ca. 50min | FSK 16

John Sinclair (Tonstudio Braun)
1981-1991 | ca.  60min. |

Sein Name ist Sinclair. John Sinclair.

Seit über dreißig Jahren kämpft der berühmte Oberinspektor der Scotland Yard Sonderabteilung für paranormale Phänomene unermüdlich gegen die Ausgeburten der Hölle an. Ob apokalyptische Reiter, Geisterbräute, Horror-Cops, Todesengel, Eisvampire oder der schwarze Tod selbst – John Sinclair schafft sie alle.

Aus der Feder des Drei-Groschenheft-Altmeisters Helmut Rellegerds, den meisten Gruselfreunden wohl besser bekannt unter dem Pseudonym Jason Dark, stammen die Geschichten um den verwegenen Londoner Geisterjäger. Seit 1973 erscheinen sie wöchentlich im Bastei-Verlag und genießen mittlerweile Kultstatus in der internationalen Szene lesender Horrorfans. Der James Bond der Dämonenwelt, auch “Sohn des Lichts” genannt, ist allerdings dabei keinen Tag älter geworden – und das bei über 300 Taschenbüchern sowie über 1500 Romanheftchen! Kann das mit rechten Dingen zugehen? Nein, im Universum eines John Sinclair ganz bestimmt nicht.

Doch das Böse existierte, und es war schlau

Seit Oktober 2000 erscheint die Serie unter der Regie von Oliver Döring als eine aufwendige
Hörspielinszenierung bei Lübbe Audio und WortArt. Unter dem Titel “John Sinclair – Edition 2000“
werden zunächst sechs Folgen auf den Markt gebracht. Die Resonanz ist jedoch so überwältigend
gut, dass bis zum Jahre 2008 sechsundvierzig John Sinclair-Hörspiele und zusätzliche Sonderfolgen inklusive einem Hörbuch in Produktion gehen. Weitere sind schon in Planung. Die Hörspielcover entsprechen dabei den Front-Illustrationen der Romanhefte.

Gleiches tut das Tonstudio Braun (der Einfachheit halber im weiteren Text TSB genannt) seit 1981. Bekannt wird das Wiesbadener Studio durch die Erstveröffentlichung einer “John Sinclair”-Hörspielreihe auf Musikkassetten. Zehn Jahre lang werden 107 Kassetten veröffentlicht, wofür sich die Macher einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde verdienen. Der Erfolg soll aber nicht von Dauer sein. 1991 wird die Produktion aufgrund eines verlorenen Rechtsstreits mit dem Bastei-Verlag komplett eingestellt. Neuauflagen der bereits vorhandenen Tapes dürfen nicht folgen. Diese Tatsache macht die Serie bei Grusel-Hörspielfans zu einem wertvollen Sammlerobjekt.

Was ist nun aber das Besondere an der 2000er Serie? Zunächst einmal sind die Folgen in chronologischer Reihenfolge. In der TSB-Reihe dagegen wurden die Folgen in Zusammenarbeit mit dem Autor und Fans nach Tauglichkeit für den Hörspielmarkt ausgewählt. Dadurch entstehen Logikfehler im Handlungsablauf. Wenn man diese Tatsache nicht kennt, kann man sich wohl kaum erklären, warum innerhalb einer Geschichte eine Figur stirbt, die unter mysteriösen Umständen 2-3 Folgen später beispielsweise mit dem Geisterjäger in aller Ruhe ein Bierchen trinkt. Solche Ungereimtheiten sind leider keine Seltenheit in Hörspiel- oder auch Filmumsetzungen von Roman- Serien. Zudem werden  in den 80ern die TSB Musikkassetten mit einem technischem Aufwand produziert, der aus heutiger Sicht an Hörabfall eines Amateur Keller-Tonstudios erinnert und noch dazu, durch die inzwischen gealterten Bänder, mit einem herrlich eiernden Klang ergänzt wird. Billige Soundeffekte sowie übertriebene Kreisch-Orgien der weiblichen Sprechergilde lösen Gänsehaut im Trommelfell aus. Das hat allerdings nichts mit der “gruseligen Atmosphäre“ zu tun. Das TSB besitzt in dieser Zeit bei Weitem kein so großes Budget, wie die Produktionen des bekannten Hörspielverlags EUROPA. Auch Quantität setzt keine Qualität voraus, nichtsdestotrotz kann die umfangreiche TSB Serie die Hörerschaft auch noch Jahre später durch eine gewisse “Reife“ der Dialoge überzeugen, die an Trash-Appeal nichts einbüßt hat. Möglicherweise besitzt diese Serie gerade deshalb Kultstatus. Vielleicht sind es aber auch die unzähligen erotischen Anspielungen, untermalt von ins-mikro-hauchenden, Telefonsex-tauglichen Sprecherinnen, die gewinnend wirken. Dies trägt wahrscheinlich zu der Entscheidung des Tonstudios bei, die Sprecherangaben während der ganzen Produktionszeit nicht zu veröffentlichen.

Den rechten Fuß vor, das linke Bein nachziehen. Ausruhen.

Dagegen punkten die Hochglanz-CDs der “Edition 2000″ natürlich mit namhaften Schauspielern als Sprach-Akteuren und Synchronsprechern der Hollywood Stars. Als Erzähler überzeugt Joachim Kerzel, bei dem man sofort einen fies grinsenden Jack Nicholson vor Augen hat. Mit von der Partie sind ebenso Detlef Bierstedt a.k.a. George Clooney sowie die charmante Franziska Pigulla a.k.a. Agent Scully aus “Akte X“. Selbst Jason Dark, der als ausgesprochen zurückhaltend gilt, wenn es um Auftritte in der Öffentlichkeit geht, läßt es sich nicht nehmen, einigen Nebenrollen seine Stimme zu leihen. Die Neuauflage der Serie wartet außerdem mit professionellen Soundeffekten auf, bei denen man das Blut und glibberige Innereien förmlich spritzen sieht. Mit dem Soundtrack, insbesondere dem eingängigen Gothic-Darkwave Song “Age of Darkness“ der Band Cain, landen die Produzenten der neuen Sinclair Hörspiele einen weiteren Clou. Die Linie heißt wohl hart, laut und rockig brachial und bedeutet wohl vor allem eines: Zielgruppenaktivierung! Die Zuhörerschaft hat sich nun ein wenig in jüngere Gefilde verlagert und da muss man sich eben auch als älterer Dämonenjäger anpassen.

In der “Edition 2000″ werden die Geschichten um den “Sohn des Lichts“ in die heutige Zeit verlagert. Somit sind Mobiltelefone, Laptop & Co. auch in Adaptionen älterer Roman-Geschichten ganz selbstverständlich und die Story erhält eine gewisse Realitätsnähe. Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz. Von der TSB Produktion spricht man gestern wie heute eher von einer unfreiwilligen Komik, während in der jüngeren Serie sehr auf Wortwitz und einen so ganz eigenen Humor geachtet wird. Das gesprochene Intro der Serie ist ein Markenzeichen geworden und kann von jedem Fan inzwischen mit geschlossenen Augen mitgesprochen werden. Auch sind sich die Macher der Hörspielreihe nicht zu schade, dem Fan einige spaßige Outtakes als Bonus zu liefern. Einen scharfen Kritikpunkt muss aber auch die Edition 2000 vertragen: Man hätte ein wenig mehr auf Abwechslung in der Sprecher-Besetzung achten können. Der wiederholte Einsatz derselben Stimmen als verschiedene Bösewichte in nah aufeinander folgenden Folgen, gerade zu Beginn der Reihe, wirkt schnell ermüdend und die Geschichte verliert an Glaubhaftigkeit – wenn man das bei einem solchem Genre überhaupt sagen kann.

Trash at its Best …

Fazit: In einer knapp 50minütigen Folge der Neuauflage schlägt sich John Sinclair mit Hilfe seiner
Freunde, bewaffnet mit Silberkreuz und seiner Beretta  in altbewährter Manier mit seinen Dauergegnern herum. Und brüllt dabei Erzengelnamen heraus. Seine Gegner, das sind Schwarzmagier, Dämonen, Untote und schlicht das Böse selbst. Ebenso erfolgt die Rettung der Menschheit in der TSB Serie. Hier allerdings gibt man dem Geisterjäger 60 Minuten Zeit, um am Ende im Heldenglanz zu erstrahlen. Alles in allem sind beide Serien unterhaltsamer handzahmer Splatter im Hörspielformat. Die ältere Serie gewinnt den Zuhörer durch Mitleid erregende Primitivität und ungewollte Komik, verliert aber bezüglich der Schaffung eines unverwechselbaren Wiedererkennungswerts haushoch gegen die neue Hörspieledition. Die aktuelle Variante schafft eine perfekt gestylte Atmosphäre, ja, eine regelrecht protzige Hörfreude. Da sieht man gerne über die Oberflächlichkeit der Charaktere und den fehlenden Tiefgang der Handlung hinweg. Das erwartet man auch gar nicht. John Sinclair bleibt eben immer John Sinclair, ob auf Papier oder Tonband. Wahre Fans besitzen ohnehin beide Hörspielausgaben und konnten sich in diesem Sommer bereits deutschlandweit an einer gelungene Sinclair Satire des Wuppertaler Vollplaybacktheaters erfreuen.

Text: Cornelia Weidmann

Links zu John Sinclair:
http://www.wortart.de
http://www.sinclairhoerspiele.de
http://www.hoerspiele.de

3 Kommentare »

  1. Mich würde ja mal wirklich interessieren, was sich Lübbe diese lachhaften Lobgesänge auf ihre “Edition 2000″ kosten lässt?!

    Ich kann dieses ewige Bespucken des Tonstudio Braun nicht mehr hören, lesen oder sehen!!!

    Wie unseriös das Ganze ist, erkennt man schon anhand der Tatsache, dass die “Schreiberin” den Hörspielen sogar das “Geleier” ankreidet, welches auf das Alter der Kassetten zurückzuführen ist, nicht auf das Hörspiel als solches.

    Zwischen den beiden Sinclair-Serien liegen zwanzig Jahre (TSB Beginn 1981 und Lübbe 2000), von daher ist ein Vergleich ohnehin unzulässig.

    Die Hörspiele des Tonstudio Braun sind KULT und erste Sahne. “Unfreiwillig komisch”, wie die “Schreiberin” hier erwähnt, ist allerhöchstens dieser Schmierenartikel.

    Die Sinclair-Serie des Tonstudio Braun war so gefragt, dass innerhalb von gerade einmal zehn Jahren sagenhafte 110 Folgen produziert werden konnten – wären sie so schlecht gewesen, hätte das kleine Tonstudio Braun nie im Leben ein so hohes Output erreichen können, weil es unwirtschaftlich gewesen wäre (keine Nachfrage).

    Die Serie war für damalige Maßstäbe sehr solide produziert.

    Von “Telefonsexerotik”, wie die “Schreiberin” hier abermals monniert, keine Spur – die Dame hat wohl die Larry Brent Serie von EUROPA mit der Sinclair-Serie des Tonstudio Braun verwechselt.

    Die Orgelmusik ist Geschmackssache, keine Frage, aber zu behaupten, dass die Serie deshalb schlecht ist, ist Schwachsinn.

    Fazit: Die Sinclair-Serie des Tonstuduio Braun ist unumstritten KULT! Das war sie, das ist sie und das wird sie immer sein. Wer das Gegernteil behauptet ist nicht kein ernstzunehmender Gesprächspartner.

    Kommentar von Giorgio — 29. November 2009 @ 20:24

  2. Yep…also, auch ich finde es etwas “seltsam”, das hier zwei so unterschiedliche Machwerke direkt(!) verglichen werden. Allerdings würde ich jetzt nicht das “Kassettengeleier” als irgendeine “Beweis” herziehen dadie gute es ja doch schon den alten TONBÄNDERN ankreidet…

    Allerdings würde ich schon sagen, dass das mit der “mitleiderregenden Primitivität” schon unterhalb der Gürtellinie ist. Billig…da es in der damaligen Zeit nicht wie heute nur eines PC´s und Mikros brauchte um mal eben so etwas zu produzieren sondern es eben ein Tonstudio sein “musste”! Aber das weiss die Schreiberin sicherlich nicht da sie damals noch nicht “war”!?

    Andererseits sind ALLE John Sinclair HörSPiELE(!) nur so zu nennen: Billig(st)!!! Schon dieses Synonym Jason DARK ist superbillig…also ich(!) habe NiEMALS verstanden was man an diesem Schund finden kann…und ich habe weissgott unzählige Heftchen gekauft weil ich auf Spannung hoffte. Allerdings habe ich nie auch nur eines fertiggelesen…einfach zu schlecht!

    Sorry, an alle Anhänger aber ich wurde sicherlich nicht bezahlt weil ich auch die neuen Hi-Tech Dinger einfach nur grottigst finde…

    SORRY…(für was? Meine Meinung?)

    PS: Trotzdem ist dieser Artikel unter “Empfehlungen ” vollkommen falsch eingeordnet…obwohl doch, EiNE Empfehlung wird ja doch schon recht DiREKT ausgesprochen! Und das “vs” ist auch iwie nur Show: Während ED2000 ellenlange Erklärungen bekommt, kriegt das TSB eigentlich immer nur Billo-Geseiere ab und von Gegenüberstellung lese ich nicht wirklich was…aber daraus lässt sich auch direkt die Alterszugehörigkeit der guten Schreiberin ersehen. Weswegen ich hier auch nicht von Frau schreiben mag. Trotzdem iwie “Informativ”-vor allem für solche die zwischen den Zeilen lesen können!

    Kommentar von DasDeh — 4. Dezember 2009 @ 12:08

  3. Lieber Giorgio! Na, holla holla?! Wer schmeißt denn da mit Lehm? Ist das nicht so gemein, dass Dein Lieblingshörspiel aus Deiner Jugendzeit hier nicht so besprochen wird, wie Du Dir das vorstellst?! Anscheinend ist die Schreiberin gar nicht so versiert und objektiv wie Du es bist. Das ist doch offensichtlich. Und das ist so fies!! Wütend stampfst Du mit Deinem Fuß auf den Boden. Das ist so frustrierend, denn schließlich verfügst nur Du über das nötige Spezialwissen, wie z.B. dass es früher Tonstudios und Kassetten gab, während die unfähigen Schreiber sich immer wieder mit ihren vergoldeten iPods, welche sie von Lübbe für den Lobgesang auf die “Edition 2000“ bekommen haben, gegen die Stirn schlagen. Das macht Dich so wütend.

    Aber wenn die ehrliche Empörung abgeklungen ist, würde mich interessieren, welche Hörspiel-Serie Du uns empfehlen würdest? Ich freue mich auf Deine Antwort und bin sehr gespannt. Dein Kübiskönig

    Kommentar von Der Kürbiskönig — 17. Dezember 2009 @ 14:04

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