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Herr der Zombies – Das Land der lebenden Toten

(King of Zombies)

1941 | 67min | FSK 6

Wie sich die Zeiten doch ändern! Da verspricht die Kino-Werbung von “Herr der Zombies“ im Jahr 1941 noch „Menschen-Opfer, grausame Folter und Voodoo-Riten“ oder auch „Enthüllungen, die das Blut in den Adern gefrieren lassen“. Heutzutage ist dieses unerhört “gruselige“ Werk schon als kindertauglich eingestuft.

Ursprünglich ist DER Grusel-Mime schlechthin für die Rolle des undurchsichtigen Dr. Sangre vorgesehen: Béla Lugosi. Daraus wird jedoch nichts, da der Star vieler klassischer Horror-Geschichten zur Zeit der Dreharbeiten nicht verfügbar ist. Auch die “Ersatzlösung“ Peter Lorre steht kurzfristig nicht mehr zur Verfügung. In letzter Minute wird der renommierte Henry Victor (spielte in über 100 Filmen) für die Produktion gewonnen und übernimmt den Part des Doktors.

Zu Besuch beim netten Blut-Doktor

film-herr-der-zombies-2008-10-17“Herr der Zombies“ spielt in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, irgendwo zwischen Puerto Rica und Kuba. James, ein Geheimagent und Jefferson, sein Diener, sind auf der Suche nach einem mysteriösen, schwachen Funksignal. Leider geraten die beiden Männer samt Pilot Bill mit ihrem Flugzeug in einen schweren Sturm. Dadurch kommt die Maschine vom Kurs ab und auch der Treibstoff geht zur Neige. Die unausweichliche Notlandung bringt die Gruppe auf eine verwegene Insel, die vom übertrieben freundlichen Dr. Sangre (toller Name, Dr. Blut) bewohnt, ja sogar beherrscht wird. Doch trotz oder gerade wegen dieser Aufgeschlossenheit und Hilfsbereitschaft wirkt der alte Mann unheimlich und wenig vertrauenerweckend.

Als erstes bemerkt Jeff, dass im Hause des Doktors mit dem seltsamen Namen noch ganz andere unheimliche Dinge ablaufen. In der Küche des Dr. Mikhail Sangre begegnet er einigen mutmaßlichen Zombies. Leider glauben ihm seine Begleiter anfangs nicht – kein Wunder, schließlich ist der schwarze Mann im amerikanischen Sklaven-Weltbild der 40er Jahre nur als gehorsamer Diener und für schlechte Witze zu gebrauchen. Der weiße Mann spielt natürlich den Helden. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass es sich um einen Schwarzweiß-Film handelt.

Hat der nette Mann Leichen im Keller?

Nach und nach entdecken auch die beiden Ungläubigen, dass im Staate Dänemark etwas faul ist. Die ganze Freundlichkeit ist wohl doch nur Vorwand. Sie kommen dahinter, dass der Onkel Doktor äußerst merkwürdige Riten und Zeremonien durchführt, welche die Bediensteten scheinbar zu wandelnden Leichen machen. Erst gegen Ende des knapp über eine Stunde langen Films erkennen die drei Abgestürzten, welch perfiden Plan der im Undercover-Exil befindliche Insel-Nazi mit dem russischen Vor- und dem spanischen Nachnamen in seinem Keller verfolgt.

Angesichts der Tatsache, dass es sich bei “Herr der Zombies“ um eine ernsthafte Hollywood-Produktion handelt, ist der Begriff B-Movie eigentlich nicht ganz korrekt. Immerhin war der Film für einen Oscar (Beste Musik) nominiert. Angesichts der kruden Story (besonders am Ende) sind Begriffe wie Trash oder B-Movie jedoch nicht abwegig. Außerdem wirken die Schauspieler – mit ihrem für die damalige Rassentrennung in Amerika typischen Verhalten – unfreiwillig komisch. Soll heißen, man kann sie als aufgeklärter und vernunftbegabter Mensch einfach nicht ernst nehmen. Im Prinzip ist dieser Streifen über die Jahrzehnte vom Horror-Film zum kindgerechten, aber politisch unkorrekten Gruselspaß mutiert.

Text: Sascha Adermann

Ausschnitt:

Link:
“King of the Zombies” (englisch) auf www.archive.org online sehen:
http://www.archive.org/details/KingOfTheZombies

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