Beetlejuice

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(DVD Titel: Lottergeist Beetlejuice, USA: Beetle Juice)
1988 | 88min | FSK 12

Die Story beginnt mit einem „Ende“. Das frisch verheiratete Ehepaar Barbara und Adam Maitland (Geena Davis und Alec Baldwin) verunglücken bei einem Autounfall tödlich. Aber aus hellem Licht und dem Paradies nach dem Tode wird zunächst nichts, denn die beiden dürfen noch nicht in das Jenseits einkehren. Die langsamen Mühlen der Geisterbürokratie mahlen zwar nicht „ewig“, aber doch in einer ähnlichen Zeitspanne und daher sind Barbara und Adam zunächst gezwungen, 125 Jahre als Geister in ihrem Haus zu verweilen, welches sie nicht verlassen dürfen. Falls sie einen Fluchtversuch unternehmen sollten, würden sie sich auf dem Saturn, umgeben von riesigen Sandwürmern, wiederfinden. Zumindest überlässt man ihnen zur Orientierung ein recht unpraktisches „Handbuch für kürzlich Verstorbene“, wie allen Neu-Verschiedenen.

Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice

Doch die Ereignisse überschlagen sich plötzlich, als sich die New Yorker Yuppie-Familie Deetz, mit Töchterchen Lydia (Winona Ryder) gemütlich im Hause der Maitlands einquartiert und es damit ganz in ihrem eigenen, reichlich gewöhnungsbedürftigen Stil einrichtet. Zum Ärger der gespenstischen Vormieter. Diese wollen die Deetz’s so schnell wie möglich aus ihrem Haus vertreiben und spuken wild drauflos. Die Familie zeigt sich aber nicht im geringsten beeindruckt und das Unternehmen scheitert kläglich. Währenddessen freundet sich die schlaue, leicht depressive Lydia mit dem Geisterpaar, das das Mädchen als einzige sehen kann und welches mittlerweile auf dem Dachboden hausen muß, an. Die Maitlands haben nun keine andere Wahl mehr und daher entschließen sie sich, auf einen „Bioexorzisten“ zurückzugreifen. Dieser, ein Poltergeist namens „Beetlejuice“ (Michael Keaton), soll das Haus von den Lebenden befreien. Um diesen Dienstleister zu „rufen“, müssen die beiden seinen Namen dreimal hintereinander nennen, ahnen jedoch nicht, was sie sich damit einbrocken.

Daylight come and he wan‘ go home

Beetlejuice ist ein sehr unangenehmer, durchtriebener Zeitgenosse, der bereits eine ganze Weile auf diesen Einsatz spekuliert hat. Er schreckt vor nichts zurück und seine frivol-skrupellose Art wirkt schockierend auf die Maitlands, die die lebenden Störenfriede zwar vergraulen wollen, doch nicht daran denken, ihnen zu schaden oder gar den Garaus zu machen! Daher nehmen die Geister einen wiederholten Anlauf, um die Deetz’s selbst aus dem Haus zu jagen, doch wieder geht das Ganze gründlich in die Hose und die potentiellen Opfer bedienen sich auch noch einer Geisterbeschwörung, zu der sie nicht nur ihre Neugier, sondern vor allem die Profitgier treibt, denn mit „Gespenstern“ lassen sich gute Geschäfte machen. Während dieser, für die Maitlands extrem gefährlichen Aktion, bewahrt Lydia die beiden Toten vor Schrecklichem, indem sie aus Verzweiflung Beetlejuice herbeiruft, der sich zunächst unwillig zeigt, einzugreifen. Doch nachdem Lydia versprechen muß, den spukenden Lüstling zu heiraten, hilft der Poltergeist den Maitlands. Natürlich setzt das Geisterpärchen nun alles daran, Lydia vor Beetlejuice‘ Hochzeitsabsichten zu schützen und den Radaubruder wieder zurück ins Jenseits zu schicken.

Is‘ halt ’n Burton

Tim Burton, dessen Name ein Synoym für abgedrehte und skurril unterhaltsame Streifen des Grusel-Genres ist, schafft 1988 mit „Beetlejuice“ einen typischen Streifen dieser Gattung. „Is‘ halt ’n Burton“, wie es seine Fans bei Einschätzung seines Werks simpel auf den Punkt bringen würden. Burtons Hauptfigur „Beetlejuice“ ist in seinem bösen Naturell quälend nervig und aufsässig. Trotzdem bekommt die Figur durch ihre rotzfrech durchtriebene und schamlose Charakteristik etwas Vergnügliches – ja sogar liebenswert Gemeines.

Burton greift bei seinem Streifen, veranlaßt durch ein schmales Budget, auf altbewährte Special-FXs zurück. Diese Tatsache stellt vielleicht, zumindest aus heutiger Sicht betrachtet, ein wahres Glück dar, denn genau das gibt dem Film diesen „besonderen“ 80er Jahre-Charme, der die bunt-grelle Verrücktheit der Geschichte herrlich zu unterstreichen vermag. Den Soundtrack, aus dem man auf jedenfall den eingängigen und bekannten Harry Belafonte-Song „Day-O (Banana Boat Song)“ im Ohr behält, gilt es ebenfalls positiv zu erwähnen. Die Schauspieler sind perfekt gecastet und Winona Ryder, zu dieser Zeit erst 17 Jahre jung, glänzt in der Rolle des unverstandenen Teenagers mit morbider Lebenseinstellung und landet dadurch mit „Beetlejuice“ ihren ersten richtigen Kino-Erfolg. „Lydia“ ist ein Mädchen, das sich im Kreise ihrer Familie selbst als Alien sieht und den Beobachter stark an Charaktere, wie „Wednesday Addams“ oder auch „Emily the Strange“, das „Dark Comic Girlie“, erinnert. Letzteres wird übrigens einige Jahre später von „Cosmic Debris“ erfunden und entwickelt sich in der internationalen Szene der Gothic Girls zum absoluten Star  – aber das nur am Rande.

Comic Remake

Der „Beetlejuice“ Film wird ein Kassenerfolg und von 1989 bis 1991 folgt eine gleichnamige Zeichentrickserie, die sich ebenfalls als recht populär herausstellt. Es werden neue Figuren eingeführt, dafür allerdings das Geisterehepaar „Maitland“ gestrichen. Als Hauptfiguren  bleiben natürlich „Beetlejuice“ und „Lydia“ bestehen, wobei der Poltergeist nicht mehr ganz so gewissenlos fies dargestellt wird. Die Serie ist daher durchaus kinder-kompatibel, indes der Film mit einer FSK von 12 Jahren ganz richtig liegt.

Alles in allem handelt es sich bei „Beetlejuice“ um eine wilde, abgedrehte Horror-Komödie mit cooler Musik, witzigen Gags und toller Besetzung. Trotz oberflächlicher Handlung, kann man sich zwar nur kurzweilig, aber dafür gut amüsieren. Wie war das noch gleich? „Is‘ halt ’n Burton“!  Daumen hoch!

Trailer:


Text: Cornelia Weidmann

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