Conjuring – Die Heimsuchung

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Filmemacher James Wan hat mit seinem Kultstreifen “Saw” quasi über Nacht das Folterkino der 70er neu aufleben lassen. Dieser Erfolg bescherte dem Film zwar fünf erfolgreiche Fortsetzungen, so richtig glücklich war der Regisseur damit aber anscheinend nicht: in keiner davon übernahm er noch einmal die Regie. Offensichtlich schlägt James Wan´s Herz viel mehr für atmosphärische Geisterfilme ohne viel Blutvergießen. Nach “Dead Silence” und dem Kassenhit “Insidious” ist dies Wan’s dritter Gruselstreifen in Folge.  “Conjuring – Die Heimsuchung” ist eine großartige Hommage an die Geisterfilme der 70er und 80er und zerrt mit einer wahren Flut an Schockeffekten ordentlich an den Nerven der Zuschauer.

“Conjuring” basiert lose auf den Aufzeichnungen der tatsächlich existierenden Dämonologen Ed und Lorraine Warren, im Film verkörpert von Patrick Wilson (Insidious) und Vera Farmiga (Orphan). Die Warrens haben nach eigenen Angaben seit 1946 fast 10.000 mysteriöse Fälle untersucht und dokumentiert. Vieles von dem, was im Kinofilm zu sehen ist, existiert tatsächlich (siehe Interview unten): ein Museum okkulter Dinge im Haus der Warrens, eine verfluchte Puppe namens Annabelle, die in einer Nebenhandlung des Films vorkommt und der Fall der Familie Perron, von dem der Film handelt. Andrea Perron, die älteste Tochter der Familie, hat bereits drei Bücher über die Ereignisse geschrieben und gibt zu Protokoll: “Einige Elemente sind natürlich fiktiv – so ist Hollywood nun mal. Die echte Geschichte war so drastisch, dass das Studio befürchtete, sie könne unglaubwürdig wirken. Darum wurde unsere Story überarbeitet.” Nun ja, die im Film gezeigten Geister und ein tosender Exorzismus wirken auch nicht gerade alltäglich. Da haben die Macher mit dem Überarbeiten wohl etwas übertrieben. Weniger gruselig wird der Film dadurch aber nicht. Ganz im Gegenteil! 

Erst Heim gesucht, dann heimgesucht!

Wie fast jede Spuk-Geschichte beginnt auch “Conjuring – Die Heimsuchung” mit dem Einzug einer Familie in ein neues Haus. Die Eheleute Carolyn und Roger Perron ziehen 1971 mitsamt ihrer fünf Töchter und einem Hund in ein abgelegenes Farmhaus in Rhode Island. Die Mädchen sind zwar über die Lage nicht sehr glücklich, freuen sich aber über den großen Platz, den das alte Gebäude bietet. Hier könne sie wunderbar ihr geliebtes “Hide-and-Clap” spielen (siehe Trailer unten), bei dem ein Spieler mit verbundenen Augen seine klatschenden Mitspieler finden muss. Gleich am ersten Abend zerlegen die Mädels dabei im Übermut eine Bretterwand, hinter der sich ein alter Keller befindet. Außer Möbel und einem Klavier findet die Familie hier allerdings nichts. Seltsam nur, dass man so einen praktischen Raum verbarrikadieren muss.

Ziemlich schnell häufen sich daraufhin die unerklärlichen Ereignisse. Bereits am nächsten Morgen ist der Hund tot, der sich bisher geweigert hatte, das Haus zu betreten. Sämtliche Uhren bleiben exakt zur selben Zeit stehen und bei einem Versteckspiel klatscht plötzlich jemand, der gar nicht da ist. Als sich der Geist schließlich auf spektakuläre Weise offenbart, weiß die Familie nicht mehr weiter.

Sie wendet sich an die Warrens, die der Familie erklären, man müsse einen Exorzismus auf das ganze Haus anwenden. Um einen Pfarrer mit so einer Aufgabe zu betrauen, braucht man allerdings stichhaltige Beweise. Also quartieren sich die Dämonologen zusammen mit einem Assistenten und einem Polizisten im Haus ein, verkabeln den ganzen Laden und warten. 24 Stunden Überwachung mögen die Geister aber gar nicht und holen zum Gegenschlag aus…

Kennste, Kennste?

Ein abgelegenes Farmhaus? Verbarrikadierte Keller? Geisterjäger, die sich im Haus einnisten? Ein Exorzismus? Das klingt, als hätte man sämtliche Geisterfilme der 70er und 80er – von Amityville Horror über Der Exorzist bis hin zu Poltergeist –  in einen Topf geworfen und einmal umgerührt. Und genau das ist das großartige an “Conjuring”: er ist eine Art “Best of” aller Filme, die uns als Kind schlaflose Nächte beschert haben. Doch der Film kopiert seine Vorbilder nicht, sondern nutzt sie als Inspiration und missbraucht diese sogar auf perfide Art. Der erfahrene Filmkenner wird nämlich immer wissen, was als Nächstes passiert. Und dann passiert es eben so nicht, sondern ganz anders. Das erwischt auch den abgebrühtesten Horrorfan manchmal kalt.

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist das hohe Tempo. Er langweilt nicht mit einer ellenlangen Einführung, wie glücklich die Familie jetzt im neuen Haus ist, nur um dann eine Stunde lang Türen klappern zu lassen. Der Film beginnt mit einer beklemmenden Nebenhandlung (Annabelle), erklärt anschließend kurz die Haupthandlung und fängt dann auch schon an, richtig loszulegen. Das hohe Tempo geht zum Glück nicht zulasten der eigentlichen Geisterszenen. Die sind teilweise so quälend lang und intensiv, dass man es kaum aushält.

Zu guter Letzt schafft es “Conjuring” sogar, das größte Problem von Geisterfilmen geschickt zu umgehen: das Finale. Da geht die feine Spannung und der Grusel meist in Effektgetöse unter. Auch dieser Streifen dreht mit einer Exorzismus-Szene am Ende zwar ganz schön auf, schafft es aber, mit einem kleinen Kniff die Beklemmung des Zuschauers aufrecht zu erhalten. Bis auf die letzten zwei Kitsch-Minuten ist “Conjuring – Die Heimsuchung” tatsächlich als perfekt zu bezeichnen. Unbedingt anschauen!


 Filmtrailer

 

Interview mit Lorraine Warren


Links

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„Conjuring“ – Homepage


Text: S. Werner

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