Chillerama

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Also eines muss man mal sagen: Die Zeiten, als eine Freigabe ab 16 Jahren in Kombination mit einem gut sichtbaren „Uncut“-Vermerk auf dem Cover eines Horrorfilms die Fans davon abhielt, einen solchen Film zu erwerben, sind vorbei! Für den Beweis dieser These eignet sich „Chillerama“ fraglos hervorragend. In dieser überdrehten Filmparodie geht es wunderbar derbe zur Sache!

Man kann nur mutmaßen. Entweder sind die Leute bei der FSK inzwischen sehr gnädig. Oder sie haben bei der Beschau von „Chillerama“ eine knapp zweistündige Siesta gehalten. So lang ist dieses außergewöhnliche Werk nämlich. Wer jetzt aber denkt, der Streifen wäre langweilig oder gar zum Einschlafen, der irrt mal so richtig! Stattdessen ist „Chillerama“ wahrscheinlich so ziemlich das Derbste, was jemals eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten hat.

„Chillerama“ ist in vier völlig verrückte Segmente unterteilt, hinter denen vier (völlig verrückte?) Regisseure stecken. Als Ort der Rahmenhandlung (die ihrerseits ein Segment des Films bildet) dient ein Autokino, das seinen letzten Tag geöffnet hat. Diese Rahmenhandlung namens „Zom-B-Movie“ (Regisseur: Joe Lynch) hat den Ausbruch einer Epidemie sexsüchtiger Zombies zum Inhalt und unterbricht und umspannt folgende Episoden, die als Filme in dem erwähnten Autokino gezeigt werden:

„Wadzilla“ | Extremes Ejakulat: Ein Spermium mit spitzen Zähnen

Den Auftakt macht „Wadzilla“ von Adam Rifkin, eine Parodie der Monsterfilme der 1950er Jahre. Hier stehen die herrlich billigen Spezialeffekte der kruden Story in nichts nach. Ein Typ namens Miles Munson (Adam Rifkin höchst selbst) hat ein prekäres Problem: Mit jeder Ejakulation produziert er immer nur ein einziges Spermium. Abhilfe soll ein Medikament schaffen, das zwar noch nicht zugelassen, dafür aber sehr potent ist. Leider produziert der arme Miles danach nicht mehr Spermien, sondern einfach nur ein bedeutend größeres Spermium!

Es kommt wie es kommen muss: Das arglose Versuchsobjekt wird irgendwann von seinen allzu männlichen Bedürfnissen übermannt und haut mal glatt ein Prachtexemplar von der Größe eines Meerschweinchens raus! Doch damit nicht genug. Das Spermium wächst nämlich weiter. Irgendwann ist es so groß wie ein Mensch. Dann ist es so groß wie ein Haus. Und es verwüstet im Zuge seiner Suche nach einer passenden Eizelle halb New York. Selbst das Militär unter Führung von General Bukkake scheint machtlos, bis den Beteiligten beim Gedanken an die Freiheitsstatue die rettende Idee kommt…

„Ich war ein Teenage-Werbär“ | Der Werbär: haarig und homosexuell!

Der zweite Part stammt von Tim Sullivan und spielt 1962 im sonnigen Kalifornien, genauer, in Malibu. Sullivan nimmt mit seiner Episode Werke wie „…denn sie wissen nicht, was sie tun“, „Grease“ und die „Twilight“-Saga auf die Schippe. Hier erwarten Dich deshalb Schwule, die sich bei Erregung in blutrünstige Werbären verwandeln (also die schwulen Brüder von den Werwölfen gewissermaßen). Im Mittelpunkt steht Ricky O’Reilly (gespielt von Gay-Pornostar Sean Paul Lockhart), der vom obersten und obercoolsten Werbären in den Arsch gebissen und dadurch auch ein Werbär wird.

 

Viele Einstellungen sind dabei Musical-mäßig inszeniert. Diese Szenen sind wohl die härtesten für jeden Horror-Fan! Blut und ein bisschen Gesplatter fehlen aber glücklicherweise trotzdem nicht. Und auch hier taucht der Regisseur höchstpersönlich als Schauspieler auf: In der Rolle von Coach Tuffman verhilft Mr. Sullivan dem noch etwas schüchternen Ricky zum blutigen „coming out“. Und dann ist da ja noch Porno-Legende Ron Jeremy, der schon im „Wadzilla“ als Captain Fatso dabei war und hier als Model im „Playbear“-Magazin dem guten Ricky als Wichshilfe dienen darf. Schlack schlack schlack…

„Das Tagebuch der Anne Frankenstein“ | Vorsicht: hagerer Hitler!

Trotz oder gerade wegen des obligatorischen Zwischenspiels im Autokino begeht Adam Greene (Regisseur der „Hatchet“-Reihe) mit der dritten Episode einen drastischen Stilbruch, denn dieses Mash-up ist komplett in schwarz-weiß gedreht. Darin erfährt der Zuschauer, dass die Familie von Anne Frank eigentlich „Frankenstein“ hieß und den Familiennamen gekürzt hat, um die in einem Buch verewigte, düstere Vergangenheit zu verheimlichen. Leider weiß Hitler von dem Buch und stellt mit seinem „Team Nazi“ die Frank(enstein)s in ihrem Versteck. Sein Plan: Mithilfe des Buches die ultimative Tötungsmaschine erschaffen und den 1. Weltkrieg gewinnen (dass es bereits der 2. Weltkrieg ist, hat der hagere Hitler nicht mitbekommen, weil er sich zu lange mit seinem geliebten, aber noch unvollendeten Welpen-Puzzle beschäftigt hat).

Also lässt er sich die nötigen Körperteile liefern und bastelt daraus Meshugannah, ein Abbild von Frankensteins Monster mit jüdischem Touch. Meshugannah wird übrigens von Kane Hodder verkörpert, der schon den Machete-schwingenden Jason in Teilen der „Freitag, der 13.“-Reihe und den Killer mit der Axt in „Hatchet“ spielte. Meshugannah ist auch ziemlich schlau. Er lernt in kürzester Zeit laufen, puzzlen (Du ahnst es: das Welpen-Puzzle!) und töten. Und er weiß, dass man einfach um eine Kulissenwand herumgehen kann, wenn sich der Führer hinter einer verschlossenen Tür versteckt! Wem das Thema als solches zu heikel erscheint, der sei beruhigt: Den Kauderwelsch sprechenden, hageren Hitler kann man einfach nicht ernst nehmen. Aber Du darfst es natürlich auch Kacke finden, dass hier so ein düsteres Thema verarbeitet wird.

Voll der Scheiß?

Apropos Kacke. Das kleine Zwischenspiel „Deathication“ nimmt sich genau dieser Thematik an. Eimerweise Exkremente bekommst Du hier zu sehen. Und manchmal auch Schokoladenpudding. Hoffentlich! Sei gewarnt, denn dieses Zwischenspiel wird vom Filmemacher Fernando Phagabeefy mit folgenden Worten angepriesen: „Dieser Film wird Sie mit ihren Fäkalien vergewaltigen.“

Wenn Du das überstanden und bis dahin weder auf den Teppich gekotzt, noch auf das DVD-Cover geschaut hast (um nochmal die Altersfreigabe zu checken), dann wirst Du das am Ende von „Chillerama“ bestimmt machen. Also das Checken der Freigabe. Denn zum Abschluss, wenn ein Teil des Publikums um das nackte (wie passend!) Überleben kämpft, ein fünffacher Wilhelm-Scream ertönt und sich der Vorführer Filmzitate aneinanderreihend durch die Zombiehorden schießt, tischt Regisseur Joe Lynch ordentlich Blut, zerfetzte Körperteile und abgetrennte Gliedmaßen auf. Darunter so Delikatessen wie ein erigierter Penis. Lecker.

 

Fazit: „Chillerama“ ist echt die Härte! Eine Zombie-Epidemie, die nur deshalb ausbricht, weil ein Mitarbeiter des Autokinos seine Dahingeschiedene zum Oralverkehr gebraucht und später sein Ejakulat anstelle von geschmolzener Butter auf dem Popcorn des Puplikums landet? So etwas hat sich noch nicht mal der Kürbiskönig vorstellen können. Und das mit der Freigabe? Ach komm, hör auf! Kauf‘ Dir einfach den Film, lade Dir ein paar Freunde ein und dann: Film ab!

„Chillerama“-Produktseite bei SUNFILM Entertainment

„Chillerama“ – Die offizielle Webseite (engl.)


„Chillerama“-Trailer (englisch)


 

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