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Was ist eine Totenhochzeit? – Fragen Sie Dr. Kürbis


Die Frage:

Lieber Kürbiskönig!

Was ist eine Totenhochzeit? Hat das etwas mit dem Film “Corpse Bride“ von Tim Burton zu tun?

Deine Marie


Die Antwort:

Liebe Marie,

lass mich zur Beantwortung Deiner Frage etwas ausholen: Berlin, so kann man immer wieder lesen, sei die Hauptstadt der Singles. Noch nie war es so einfach allein, ohne den traditionellen Vorstellungen eines klassischen Familienlebens entsprechen zu müssen, zu leben. Natürlich ist auch noch heute bei Vielen der Druck hoch, in nicht all zu späten Lebensjahren einen festen Partner zu finden mit dem man dann eine Familie gründen kann.

Früher war dieser Druck jedoch ungleich höher und gesellschaftlich genormt, sowie wirtschaftlich oft überlebenswichtig. Schließlich gab es damals noch keine Rentenversicherung. Die Versorgung im Alter übernahm die Familie. Und wer auf keine Nachkommenschaft zurück blicken konnte, für den wurde es dann schwierig. Kein Wunder, dass man es möglichst vermied unverheiratet zu bleiben. „Seid fruchtbar und mehret euch“ (1. Buch Mose, an diversen Stellen) steht in der Bibel und auch „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei“ (Genesis 2,18).

Tot und unverheiratet

Selbstverwirklichung war damals noch keine Alternative. Vor allem in der katholischen Kirche ist die Ehe ein heiliges Sakrament. (Sakramente sind Zeichenhandlungen der Existenz Gottes.) Wer diese Verpflichtung nicht nachkommen konnte (oder wollte), war dementsprechend nicht besonders angesehen und musste dazu noch so manchen Hohn und Spott ertragen. Und eine alte Jungfer war man oft bereits mit 25 Jahren!

Hinzu kam, dass allgemein befürchtet wurde, dass ledig Verstorbene als Wiedergänger zurückkehrten, da sie niemand hatten, der für sie die Totengebete sprechen konnte (Vielleicht auch, weil ihr Leben als unvollständig empfunden wurde?) Allerdings war das natürlich zu einer Zeit, wo man wegen Allem und Jedem befürchtete, der Tote würde als Wiedergänger zurückkehren.

Um solcherart Unannehmlichkeiten zu vermeiden, griff man auf den heidnischen Brauch der Totenhochzeit zurück:


In dieser werden (sozusagen nachträglich) dem ledigen Toten die gleichen Rechte zugestanden, wie lebenden Verheirateten. Im Zuge der Christianisierung wurde der Verstorbene nun zu Braut oder Bräutigam des Himmels. (Eine echte Himmelshochzeit). Die Totenhochzeit als eine Entschädigung für die im richtigen Leben nicht statt gefundene Hochzeit. Dabei wurden die Verstorbenen im Sarg wie zu einer Hochzeit festlich hergerichtet und mit einem Totenkranz oder einer Totenkrone geschmückt. Diese wurden im Laufe der Zeit immer prächtiger und kostspieliger.

Nachweisbar sind solche Totenhochzeiten im deutschsprachigen Raum ab dem 13. Jahrhundert. Seinen Zenit erreichte dieser Brauch vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.


 

Von der oberen Kirchenetage wurde der Brauch der Totenhochzeit nicht gerne gesehen und als heidnisches Brauchtum verurteilt. Dagegen ausrichten konnten sie jedoch freilich wenig, zumal das Brauchtum von den lokalen Priestern durchaus unterstützt wurde. Denn viele der prachtvollen Totenkronen dienten nach der Beerdigung als Schmuck der Kirchenhäuser. Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Totenkronen weitestgehend entfernt, da man das Staub wischen als zunehmend lästig empfand.

Deutsch: Totenkronen in Dorfkirche Herzberg, Gem. Rietz-Neuendorf, Brandenburg, Deutschland (Quelle: Wikipedia/ Urheber: Engeser)Deutsch: Totenkrone in Dorfkirche Herzberg, Gem. Rietz-Neuendorf, Brandenburg, Deutschland (Quelle: Wikipedia/ Urheber: Engeser)

Totenhochzeit in China

Eine etwas andere Bedeutung hat das Wort in China. Dort versteht man darunter wortwörtlich eine Hochzeit unter Toten, wobei die Geister von jungen Unverheirateten mit im gleichen Alter Verstorbenen vermählt werden. Auch ist es Brauch, wenn die Verlobte vor der Hochzeit stirbt, noch eine symbolische Hochzeit mit dem Bräutigam stattfindet, indem ihm ein Holztäfelchen mit dem Namen der Braut überreicht wird, welches er dann auf seinem Ahnenaltar platziert. Das diese Tradition dort noch höchst lebendig ist, zeigt auch ein Vorfall aus dem Jahre 2006, bei dem ein Paar in Hochzeitskleidung beerdigt und verheiratet wurde, nachdem sie beide am Wochenende zuvor bei dem Versuch einen Jungen aus einem Fluss zu retten, ertrunken waren.

Die Leichenbraut aus dem Tim Burton Film "Corpse Bride"Die Totenbraut

Mit Tim Burton hat das alles allerdings wenig zu tun. Der Film “Corpse Bride“ basiert wohl eher auf der russischen Sage “Die Leichenbraut“. Eine deutsche Übersetzung scheint es nicht zu geben. Allerdings gibt es zahlreiche andere Legenden und Erzählungen mit ähnlichem und vergleichbarem Inhalt. Zum Beispiel “Die Braut von Korinth“ von Goethe.

Dein Dr. Kürbis


Du hast auch eine Frage an Dr. Kürbis? Dann schreibe eine Mail an: frage@halloween.de


 

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4 Kommentare »

  1. lol

    Comment von summoning — 8. Oktober 2013 @ 13:43

  2. lol und cool

    Comment von lovlin — 10. September 2014 @ 14:47

  3. Wow …. mit so fundiertem und qualitativ hochwertigen Wissen
    habe ich jetzt nicht gerechnet.

    Hut ab … Klasse Artikel, umfangreich recherchiert!

    Comment von Ibak — 25. Februar 2015 @ 23:37

  4. Einen Schönen guten Abend.
    Mir passieren seitdem Entschluss einer Therapie aufschlussreiche Dinge.
    Bin ein Kind aus einem “Broken Home”, sprich abgesehen davon ohne Vater aufzuwachsen War alles in Ordnung bis zum neunten Lebensjahr. Danach geplagt vom Verhältnis zwischen Stiefvater und Früh Pubertären Depressionen, und a zur Scham es wurde sich anhand mangelnder Zeit um keines der Anbelange, gekümmert.
    Das schwarze Schaf der Familie löste ich quasi vor ein paar Wochen im Sinne des Müll Schlucken ab. Stehe nun Mit eigenem Sein als Child fertig am Tag. Zu Gunsten dessen grub ich den Künstler in mir aus, der Gen wohl von meinem Urgroßvater, namens Fritz vererbt bekommen. Ziemlich verrückte Fahrt.
    Wo hin mit dies Input?
    Am Wochenende segelten Visionen mich zu einem Sand Raum Mit einem Grab, strange!
    Gestern machte es Klick und ich wusste wie Hochzeit spielt sich ab.
    Wohin nur mit all dem… und es gibt noch einiges an Spiritualität, mehr.

    Comment von Jennifer Dusemond — 21. Oktober 2016 @ 20:46

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