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Abbott & Costello treffen die Hollywood-Monster

Herrlich sind sie, die klassischen Universal-Monster-Filme. Sie stehen gleichsam für eine Zeit, als große Filmkunst und ein erfolgreicher Horrorfilm nicht zwangsläufig Gegensätze sein mussten. Und so geraten traditionsbewusste und stilsichere Horrorfreunde und Filmkritiker angesichts von Klassikern, wie “Frankensteins Braut“, “Dracula“, “Die Mumie“ oder “Der Werwolf“ ins Schwärmen.

Filme, in denen die Monster in großartigen Kulissen oft als leidende, zerrissene Persönlichkeiten dargestellt werden und beim Zuschauer sowohl Mitgefühl, als auch Furcht und Abscheu erregen. Das, so könnte seufzend der eine oder andere meine, das waren die goldenen Jahre des Horrorfilms (obwohl die Filme natürlich in Schwarz/Weiß gedreht sind). Wie dröge und oberflächlich scheinen dagegen heutige Horrorfilm-Produktionen? Eine seelenlose Aneinanderreihung von Fortsetzungen. Die ewige Wiederholung des immergleichen Konzeptes, bis die Frucht auf den letzten Tropfen ausgequetscht ist.

Wer so seufzt, mag sicherlich Recht haben, vergisst aber gern, dass die Filmindustrie damals bereits ähnlich funktionierte wie heute. Zumindest im Hinblick darauf, dass man einen erfolgreichen Horrorfilm nicht ohne Fortsetzung und Frankensteins Monster so lange durch die Gegend wanken lässt, bis auch der Furchtsamste gelangweilt abwinkt. Auf all die großen Klassiker der Universal folgte eine Vielzahl von oft sinnlos zusammengekloppten Fortsetzungen. Am besten mit so vielen Charakteren wie möglich, wie schon Titel, wie “Frankenstein meets the Wolfman“ (1943)  verraten. In “The House of Dracula“ (1945) mieten sich Graf Dracula und Larry Talbot (aka der Wolfsmensch) bei einem verrückten Wissenschaftler ein und finden nebenbei Frankensteins Monster. Alles klar? Von großer Filmkunst ist hier nur noch wenig zu sehen. Unterhaltsame Trashgranate trifft es eher. Und was folgt, wenn aus ehemals furchterregenden Gestalten, durch die stetige Wiederholung Karikaturen werden? Damals wie heute ist es: die Parodie.

Für diese sorgt das, damals sehr populäre, Komiker-Duo Abbott & Costello mit seinen Monster-Filmen.


Lugosi steigt noch einmal aus dem Sarg


37 Filme drehte das Duo zusammen. Ihre vier Monsterfilme sind nun als DVD-Box von Koch-Media erhältlich. Am bekanntesten und auch herausragendsten unter den vier Filmen ist “Abbott & Costello meet Frankenstein“. Und das nicht nur, weil er der mit Abstand lustigste der vier Filme ist. Ganz in der Tradition der Universal Monsterfilme vereinigt er auch so viele Monster, wie das Script nur möglich macht, in einem Film. Als besonderer Clou werden diese auch von vielen der originalen Darsteller verkörpert. So spielt Bela Lugosi nach 17 Jahren noch einmal (und erst zum zweiten Mal) den Grafen Dracula. Es geht übrigens die Geschichte, dass, als man nach einem Darsteller für den Grafen suchte, niemand an Lugosi dachte, weil allgemein angenommen wurde, dieser wäre bereits verstorben. Und so hat der große Dracula-Darsteller seinen letzten großen Studio-Auftritt mit der Parodie einer Figur, die ihn einst weltbekannt gemacht hat. Auch Lon Chaney Jr. lässt es sich nicht nehmen, seinen Larry Talbot wieder persönlich darzustellen (bereits zum fünften Mal), auch wenn ihm die Sorge umgeht, dass man die klassischen Figuren zu sehr ins Lächerliche zieht. Ähnliche Bedenken halten Boris Karloff davon ab, Frankensteins Monster zu spielen. Das übernimmt stattdessen Glenn Strange, der bereits einige Male mit hoher Stirn durch schaurige Filmkulissen staken durfte. Der Film ist für alle Freunde der Universal-Monster ein riesiges Vergnügen. Abbott & Costello sind auf dem Höhepunkt ihrer Komik, die Besetzung schlicht großartig und die Kulissen beeindruckend. Eine der schönsten und lustigsten Horrorkomödien, die es gibt. Und eine liebevolle Hommage zugleich.



Mr. Hyde als Warzenschwein und Mumien in Schlafanzügen


Auch die drei nachfolgenden Monster-Filme haben noch ihre Schauwerte, auch wenn sie zunehmend routinierter und liebloser werden. Der Film “Abbott & Costello treffen den Unsichtbaren“ glänzt durch beeindruckende Special Effects, die fast besser sind, als in den originalen “Unsichtbaren“-Filmen. In “Abbott & Costello meet Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ hat der misstrauische Karloff, anscheinend eben jenes Misstrauen überwunden und lässt sich für die Rolle des Mr. Hyde mit einer wahrhaft monströsen Maske verunstalten. Eine Art Warzenschwein mit Zylinder. Auch dieser Film glänzt mit einigen sehr komischen Szenen, vor allem am Ende mit einer wilden, doppelten Verfolgungsjagd und einer wahren Mr. Hyde-Epidemie, die auch das örtliche Polizei-Revier nicht verschont. Noch einmal bemerkenswert ist der letzte Monsterfilm des Duos (und ihr vorletzter überhaupt), der nun schon mit soviel Lasse fair runtergekurbelt ist, dass es gleichsam noch mal wie eine Parodie auf die eigenen Filme wirkt. Einen großen (aber vermutlich unfreiwilligen) Schauwert hat die Mumie, welche schlicht in einem mit Binden beklebten Ganzkörperanzug durch die Gegend taumelt. Und der hängt stellenweise ganz schön durch. Aber auch dieser Film hat seine komischen Momente. Zum Beispiel, wenn mehrere Protagonisten des Films (aus irgendwelchen, nicht nachvollziehbaren Gründen) beschließen, sich als Mumie zu verkleiden, was zur Folge hat, dass irgendwann bis zu drei Mumien durch die Grabgänge tapsen.



 Hommage und Parodie zugleich


Bei uns waren Abbott & Costello nie so bekannt, wie in Amerika. Stellenweise hatten sie dort sieben Filme gleichzeitig in den Kinos und zählten in den vierziger Jahren zu den bestbezahlten Darstellern überhaupt. Ihre komische Kunst war jedoch nie vergleichbar mit der der ganz Großen. Sie waren nie so gut choreographiert, wie Buster Keaton, nicht ganz so anarchisch wie die “Three Stooges” und nie so albern wie “Dick & Doof”. Dennoch haben ihre Filme auch heute noch einen unterhaltsamen Schauwert, sind teilweise sehr komisch und vor allem für Liebhaber klassischer Monsterfilme absolut sehenswert. Vor allem ihr erster Monsterfilm „Abbott & Costello meet Frankenstein“ ist einer der schönsten Horrorkomödien, die es gibt und gleichzeitig eine liebevolle Hommage an die Figuren der klassischen Filme. Und für Kinder sind diese Filme sogar gruselig, was zeigt, dass, wie sehr man diese Figuren auch veräppelt und sie in ihrem Manierismus ins Lächerliche zieht, sie einen Kern haben, der davon unberührt bleibt.



Trailer:


Abbott & Costello meet Frankenstein – Trailer

(englisch)

 

Abbott & Costello meet the Invisible Man – Trailer

(englisch)

 

Abbott & Costello meet Dr.Jekyll & Mr.Hyde – Trailer

(englisch)

 

Abbott & Costello meet the Mummy – Trailer

(englisch)

 


Text: A.Hartung

1 Kommentar »

  1. [...] als eines und drei nochmal besser als zwei. Als letztes gab Chaney den verfluchten Talbot in “Abott & Costello meets Frankenstein” – eine Parodie auf die klassischen Universal-Monster-Filme. Was Chaney nicht davon [...]

    Pingback von Werwolf – Halloween.de – Das Halloween & Horror Magazin – Halloween.de — 21. Januar 2013 @ 18:20

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