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Larry Brent: Die Schlangenköpfe des Dr. Gorgo

Genre: Grusel-Trash
Autor: Dan Shocker (Jürgen Grasmück)
Label: EUROPA Klassiker | SonyBMG

Günther Pfitzmann verplanzt Gehirne

Auch wenn heutzutage die Regale voll von Splatterschund der unleckeren Machart sind, das 1983 erschienene Werk “Die Schlangenköpfe des Dr. Gorgo” war und ist das einzige Hörspiel, das jemals in Deutschland auf den Index gesetzt wurde! Eine Würdigung, dank der die EUROPA-Kassette bereits kurz nach Indizierung zum hochdotierten Sammlerstück avanciert und für uns Anlass genug ist, einen näheren Blick zurück zu werfen.

Grusel-Thriller mit gruseligem Cover

Zwischen 1983 und 1986 beweist EUROPA den Mut, mit “Macabros” und “Larry Brent” zwei Horror-Groschenroman-Vorlagen des deutschen Autoren Jürgen Grasmück alias Dan Shocker in die Kinderzimmer der Grusel-affinen Jugend zu entsenden. “Larry Brent” ist – zumindest aus heutiger Sicht – nicht einmal sonderlich schockierend, dafür aber herrlich abstrus: Der Protagonist, ein Spezialagent der PSA („Psychoanalytische Spezialabteilung“ – eine krude Mischung aus X-Akten und “X-Men”), wird über die Strecke von 15 Folgen mit der Aufklärung übernatürlicher und ungewöhnlicher Fälle betreut, stets bewaffnet mit Kommunikationsring und einem Smith & Wesson-Laser.

In besagter Folge 9 werden in London mehrere verstümmelte Leichen entdeckt, allesamt weiblich und ohne Kopf. Im Laufe des Geschehens ermittelt Larry Brent den verrückten Wissenschaftler Dr. Gorgo (gesprochen von Günther Pfitzmann!) als Urheber dieser Untaten, der in medizinischen Experimenten Gehirne und Köpfe verpflanzt, unter anderem auf krakenähnliche Körper.

Kultobjekt dank Indizierung

Die Romanvorlage des Hörspiels

So weit, so gut. Doch was macht diese Geschichte nun so besonders? Einen Erklärungsversuch lieferte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien 1986 selbst: „Die Tonkassette wirkt zweifelsfrei verrohend, weil sie bei dem Zuhörer Aggressionen aufbaut und ihn im Zustand angespannter, latenter Aggressivität hält. Dies erreicht die Tonkassette, indem sie den jeweiligen Zuhörer mit grausamen Gewaltakten konfrontiert. Verletzungshandlungen, die Auswirkungen von Verstümmelungen bzw. “Operationen” sowie das Leid der Angehörigen der Opfer werden detailliert inszeniert.“

Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr: „Einem anderen Mädchen entnimmt Dr. Gorgo in einem Laboratorium das Gehirn. Er verpflanzt dieses in einen Collie. Freigelassen, führt dieses Tier Larry Brent zu dem Operationsraum. Hier rennt er immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand; Blut und Eiter spritzen. Schließlich zerplatzt der Hundekopf.“ Selten klang nüchternes Beamtendeutsch so werbewirksam. Ausschlaggebend für die Indizierungsentscheidung dürfte jedoch die unverhohlene Bejahung von Selbstjustiz gegen Ende der Story gewesen sein – aber wir wollen hier ja nicht zuviel verraten.

Neuauflage versus Original

“Die Schlangenköpfe des Dr. Gorgo” ist im Grunde eine der wirklich spannenden Folgen der Serie. Der Neuauflage im Zuge der Reihe “Rückkehr der Klassiker” von vor knapp sechs Jahren haftet leider das erhebliche Manko an, dem zensierenden Schnitt zum Opfer gefallen zu sein – der Cutter von EUROPA hat damit ein grausameres Werk verrichtet als Dr. Gorgo himself. Gerade 41 Minuten der Story haben überlebt, den verbliebenen Rest der CD füllen unfassbar überflüssige Sound- und Musikschnipsel. Wer aber nicht willens ist, für die Original-MC 50 bis 100 Euro hinzublättern, dem sei dieses kultverdächtige Stück Hörspiel-Trash auch in der gekürzten Version ans Herz gelegt.

Sprecher: Günter König, Rainer Schmitt, Günther Pfitzmann u.a.
VÖ: 10.11.2003 (Original: 1983) | ca. 49 Min. | FSK 16
Webseite: www.natuerlichvoneuropa.de


Text: Sebastian Riewe

3 Kommentare »

  1. Oha…
    Der Beericht hat es in sich.

    Super geschrieben und toll dargestellt.
    Harte Kritik an der neuen Version des Hörspiels, dennoch absolut klasse und realistisch.

    Ich habe damals zu meinem Leidwesen diese Reihe verkauft, als mein Interesse kurzfristig an solchen Hörspielen verloren ging. Jetzt nach etwa 20 Jahren lebte es wieder auf und als ich las, was ich da abgab… HOLLA DI WALDFEE war ich sauer :)

    Nun versteigern es die Leute zahlreich im eBay :)

    Comment von Remo — 19. Mai 2010 @ 17:23

  2. Dennoch Hut ab :)
    Ich hätte es nicht besser schreiben können *g

    Comment von Remo — 19. Mai 2010 @ 17:24

  3. Ich weiß zwar nicht, wer in dieser Episode den Titelschurken spricht, doch Günther Pfitzmann ist es auf keinen Fall!
    Zum Glück besitze ich die Originalkassette noch (und habe sie auch längst digitalisiert) und habe sie auch oft genug gehört, um das beurteilen zu können.
    Obwohl ich sie keineswegs für eine herausragend gute Folge halte.

    Comment von Olaf Kühl — 12. Oktober 2015 @ 12:50

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