Coraline – Eine alptraumhafte Achterbahnfahrt auf die andere Seite

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Coraline - Das offizielle Plakat zum Film von Henry SelickDie zwölfjährige Coraline ist mit ihrer Familie aufs Land gezogen, worüber sie nicht unbedingt glücklich ist. Ihre Eltern haben eigentlich die ganze Zeit zu tun und der Rest des altertümlichen Landhauses wird von freundlichen, aber eher skurrilen, älteren Herrschaften bewohnt. Auf einer Entdeckungsreise durch das Anwesen stößt sie auf eine geheimnisvolle Tür und nach einem langen, dunklen Tunnel gelangt sie in eine Art Spiegelbild ihres Wohnhauses.

Dort wohnen ihre “anderen“ Eltern. Hier ist alles bunter und aufregender, die “Anderen“  lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab und haben vor allem viel Zeit. Dass sie statt Augen Knöpfe an den Kopf genäht haben, stört Coraline nicht besonders, aber schon bald legt ihr die „andere“ Mutter zuerst freundlich, dann immer bestimmter nahe, doch für immer zu bleiben. Dafür müsste sie sich nur die Augen ausschneiden und sich statt dessen die Knöpfe annähen.  Das tut auch nicht weh. Nadel und Faden liegen schon auf dem Küchentisch. Da kehrt Coraline lieber in ihre richtige Welt zurück.

Aber so einfach ist der enttäuschten “anderen“ Mutter nicht zu entkommen. Als Coraline wieder in der richtigen Welt angekommen ist, muss sie feststellen, dass die “andere“ Mutter ihre Eltern entführt hat. Da bleibt ihr keine Wahl, als wieder zurückzukehren und ihre Eltern zu befreien. Und das ist nicht leicht, denn dafür muss sie Aufgaben erfüllen und riskiert für immer, in der Spiegelwelt bleiben zu müssen. Mit Knöpfen statt Augen.

TRAILER – CORALINE

“Coraline“  ist ursprünglich ein Kinderbuch von Comic- und Bestseller-Autor Neil Gaiman  (“Sandman“, “American Gods“) mit Illustrationen von Dave McKean.Für die gelungene Verfilmung ist Henry Selick verantwortlich. Selick ist vor allem bekannt durch Filme, wie “A Nightmare Before Christmas“ (Tim Burton war nur ausführender Produzent) oder “James und der Riesenpfirsich“. Nachdem ursprünglich geplant war, “Coraline“ als Realverfilmung umzusetzen, konnte sich Selick schließlich erneut mit seiner favorisierten Stop-Motion-Technik durchsetzen. Die Geldmittel dafür waren jedoch zuerst nur schwer aufzutreiben, schreckte die für ein Kinderbuch doch recht düstere Geschichte potentielle Geldgeber eher ab.

Szene aus dem Film Coraline - Die Entdeckung des geheimen TunnelsSzene aus dem Film Coraline - Mutter mit Knöpfen

So gleicht der Film “Coraline“ auch mehr einem psychedelischen Alptraum, aus dem sich Coraline erst dann befreien will, als es eigentlich schon zu spät ist. Neil Gaiman bedient sich, wie so oft, zahlreicher Versatzstücke und Anspielungen aus “Alice im Wunderland“, Märchen- und Sagenwelt und rührt geschickt in menschlichen Urängsten. Auch weiß er ganz genau, wann es besser ist, ein Geheimnis ein Geheimnis sein zu lassen, um so die Atmosphäre des Traumhaften noch zu verstärken.

Coraline - Neil Gaimans Buch in der deutschen ComicfassungDabei ist er immer einen Tick besser als seine Kollegen, weswegen schon das Buch, obwohl nicht eine seiner besten Arbeiten, zahlreiche Preise einheimsen konnte. In Henry Selick hat er einen kongenialen Partner gefunden, der Gaimans Buch in eine knallbunte, alptraumhafte Achterbahnfahrt verwandelt hat. Für kleine Kinder ist der Film damit jedoch nur bedingt geeignet.

Zeitgleich zum Film veröffentlichte der Panini-Verlag eine sehr schöne, wenn auch etwas unaufgeregte Comicadaption von “Coraline“auf deutsch, welche (im Original) den renommierten Eisner-Preis als “Beste Veröffentlichung für Teenager“ gewann.


Links

Mehr Infos zum Buch von Neil Gaiman inklusive weiterer Besprechungen und Bestellinformationen findet Ihr hier.

Mehr Infos zur Comicadaption von P. Craig Russell und eine Leseprobe der ersten dreizehn Seiten könnt Ihr Euch hier anschauen.


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