Film-Tipp: The Raven

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Am Morgen des 3.Oktober 1849 wird der Schriftsteller Edgar Allan Poe auf der Straße von Baltimore im geistig verwirrten Zustand aufgefunden. Man bringt ihn in ein nahegelegenes Krankenhaus, wo er kurze Zeit später stirbt. Die Todesursache ist bis heute nicht bekannt. Ebenso wenig weiß man, wie er die letzte Woche seines Lebens verbrachte, die ihn in einem solchen Zustand wieder ausspuckte. Das öffnet wilden und seriösen Spekulationen bis heute Tür und Tor.

Eine besonders wilde und nicht ernst gemeinte Version liefert der Film “The Raven“. In ihm treffen wir auf einen Poe, der seine besten Tage bereits hinter sich hat und vor allem von seinem Nachruhm zehrt. Da beginnt eine Serie brutaler, makaberer Morde, die alle bis aufs kleinste Detail einigen der poeschen Kurzgeschichten nachgeahmt sind. Natürlich ist der Schriftsteller der erste Verdächtige. Vielleicht will sich das abgehalfterte Genie nur wieder ins Gerede bringen? Doch dann wird auf einem Maskenball seine (Beinahe-)Verlobte Emily entführt und der Serienkiller entpuppt sich als leidenschaftlicher Verehrer des Meisters. Er fordert Poe auf, eine neue Geschichte zu schreiben, welche dann in der Morgenzeitung als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht werden soll. Währenddessen mordet der Unbekannte weiter und hinterlässt mit den Leichen Hinweise auf das Versteck, in dem Emily mit dem Tode ringt. Der Killer hat sie lebendig begraben. (Ein Schicksal, welches der reale Poe fast krankhaft fürchtete und in mehreren seiner Geschichten verarbeitete.) Es beginnt ein brutaler Wettlauf.

Wie in dieser kurzen Zusammenfassung bereits deutlich wird, kümmert sich der Film nicht sonderlich um historische Fakten, sondern haut stattdessen lieber ordentlich auf den Putz. Das ist einerseits etwas schade, da er dadurch viel an möglichem Witz und erquickenden Spielereien mit der poeschen Biografie vergibt, beschert uns auf der anderen Seite aber einen unterhaltsamen Historien-Popcorn-Mystery-Thriller in dem ab und zu ein paar Gedichtzeilen zitiert werden.

Poe als leidenschaftlicher Schlawiner

John Cusack als Edgar Allan Poe schlawinert sich, bei aller Dramatik und aufgerissenen Augen, lakonisch wie eh und je durch das blutige Geschehen. Der reale Poe (siehe nebenstehendes Porträt) verfügte über eine prägnante und eindrucksvolle Gesichtsphysiognomie, die sich auch in der Wahl des Darstellers hätte wieder spiegeln können. Auf diese Möglichkeit, dem Affen Zucker zu geben, hat man jedoch genauso verzichtet, wie die dunkle Seite des Autors einfließen zu lassen.

Da hat man einiges verschenkt, um ein intelligentes düsteres Meisterwerk zu erschaffen. Das war aber vermutlich auch nicht die Intention von Regisseur James McTeiger, dem wir ja immerhin schon den ziemlich düsteren “V- for Vendetta“ zu verdanken haben. Cusack spielt Poe als sympathischen, charmanten Trunkenbold mit Witz und Herz, was nahelegt, dass “The Raven“ eher für Fans der neuen „Sherlock Holmes“-Filme mit Downey jr. gedacht ist, die gerne auch mal Filme wie “Sieben“ sehen. Das ist okay und nette, gut aussehende Unterhaltung, auch wenn einige Dramaturgie- & Schnittfehler den Film direkt in die einheimischen Videoregale wandern ließen.

PS: Bleibt zu fragen, was die Marketingabteilung sich dabei gedacht hat, den Film mit “Prophet des Teufels“ zu untertiteln? Vielleicht, um auf die Tendenzen des Films zum B-Movie zu verweisen?! Oder in den Textabteilungen (?) der DVD-Hersteller sitzen fröhliche, gut gelaunte Redakteure, die sich einen Spaß daraus machen, größtmöglich blödsinnige Trash-Slogans für ihre Filme zu entwickeln.


Trailer:


 

 

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