Fragen Sie Dr. Kürbis! – Teil 8: Woher kommt eigentlich die Faszination an schrecklichen und gruseligen Dingen?

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Die Frage:


Lieber Dr. Kürbis!

Woher kommt eigentlich die Faszination an schrecklichen und gruseligen Dingen? Herzrasen, Ekel und Albträume sind ja nun eigentlich keine Zustände, die man sich herbeiwünscht??

Es grüßt, Heike


Die Antwort:

Dr.Kuerbis-3Liebe Heike,

Das ist eine wirklich gute Frage. Und eine recht schwierige. Ich will es trotzdem versuchen.

Die Zustände, die Du beschreibst – also Herzrasen, Ekel und Albträume – sind eng mit dem Begriff „Angst“ verbunden. Das Gefühl der Angst ist von allen Gefühlen, die der Mensch verspüren kann, eines der intensivsten. Sogar intensiver als das Gefühl der Liebe. Ein starkes Angstgefühl beschert uns gewissermaßen einen „Kick“, ähnlich dem Bauchkribbeln bei einer extremen Achterbahnfahrt. Dabei hält uns der Sicherheitsbügel im Wagen der Achterbahn fest in den Sitz gedrückt und vermittelt uns so ein Maß an Sicherheit, welches groß genug ist, um die Irrsinnsfahrt (und damit den Kick) zu genießen. Beim Bungee-Jumping ist es das Gefühl des freien Falls, das für eine massenhafte Ausschüttung von Adrenalin sorgt, während diesmal das Seil das „beruhigende“ Sicherheitsempfinden gewährleistet.

Ähnlich verhält es sich, wenn Du Dir z.B. einen besonders spannenden oder gruseligen Film anschaust. Du spürst das Kribbeln, die innere Unruhe. Du verspürst Herzrasen, Ekel und erlebst nachts nach dem Film vielleicht sogar Albträume. Du beobachtest unheimliche Dinge auf dem Fernsehschirm und fieberst voller Faszination mit dem bedauernswerten Individuum mit, das sich unvermeidlich in tödliche Gefahr begibt – aber Du selbst fühlst Dich bei aller Angst noch sicher genug, um diese (An)Spannung zu genießen, denn Du weißt, dass es nur auf der Mattscheibe passiert. Dieser Abstand als Betrachter bei gleichzeitigem „Mitfühlen“ mit dem Opfer vermittelt Dir ein ausreichendes Gefühl an Sicherheit, so wie das Bungee-Seil dem Springer und der Haltebügel dem Achterbahn-Passagier.

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Betrachtet man den Horrorfilm auf psychoanalytischer Ebene, so gilt er gewissermaßen als Spiegel seelischer Störungen, der unsere Angst um körperliche und seelische Unversehrtheit anschaulich werden lässt. Das klingt allerdings härter als es tatsächlich ist, denn genauso verhält es sich auch mit den Motiven von Märchen.

Ähnlich wie diese, haben sich Horrorfilme in ihrer Handlung insgesamt seit jeher kaum nennenswert verändert. Und gerade im immer gleichen, formelhaften Handlungsablauf gleicht der Horrorfilm ja dem Märchen. So erwächst die Faszination dieser Filme auch daraus, dass existenzielle Fragen aufgeworfen werden. Je nach Zeitgeist variieren diese zwar, das erzählerische Grundkorsett bleibt jedoch fast immer gleich. Ein einfaches und bekanntes Beispiel dafür ist der japanische Monsterfilm „Godzilla„, welcher einer ganzen Nation dabei hilft, sich mit dem Trauma von Hiroshima und Nagasaki auseinanderzusetzen.

Fast immer steht in diesen Filmen und Erzählungen das Überleben in einer Extremsituation im Mittelpunkt, seien es nun einzelne Personen, die ins Visier eines perversen Massenmörders geraten sind oder die ganze Menschheit, die vom Ausbruch einer Zombie-Epidemie bedroht wird.

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Natürlich wirkt die erwähnte Faszination des Bösen auf verschiedene Menschen unterschiedlich stark und die Intensität des beschriebenen Kicks ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Wo der eine den kompletten Horrorfilm über kaum Anspannung empfindet und sich seine Empfindung sozusagen auf einer Linie bewegt, durchlebt ein anderer eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der eine liebt Horrorfilme, der andere kann sie nicht ausstehen oder aushalten. Die Faszination an schrecklichen Dingen ist also immer auch eine ganz individuelle Angelegenheit.

Und dann gibt es natürlich immer noch einen Großteil von Horrorfilm-Rezipienten, die nur deswegen ins Kino gehen, um im Eifer des Gefechts schützend den Arm um die kreischende (zukünftige?) Freundin zu legen und den großen Beschützer zu geben. Und seinen ebenfalls pubertierenden Kumpels zu zeigen, dass man ja nun so dermaßen überhaupt keinen Schiss hat.

Ich hoffe, dass ich Dir Deine Frage(n) mit meiner Antwort einigermaßen beantworten konnte,

Dein Dr. Kürbis

Bilder Screenshots von: „Night of the living Dead“, „Psycho“ und „The Haunting“


Du hast auch ein Frage an Dr. Kürbis? Dann schreibe eine Mail an: frage@halloween.de


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