Menschen, wollt ihr ewig forschen?

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Ab heute im Kino: Der Thriller “Transcendence“ mit Johnny Depp als körperlosem Superhirn

 

Als eine Schlüsselfrage der menschlichen Existenz wird heute oft die Entschlüsselung des menschlichen Gehirns angesehen. Sei diese erst vollbracht (und es ist nur eine Frage der nahen Zukunft, so die Neurobiologen) werden wir genau wissen, wie und was der Mensch ist. In diesem Film ist das Mysterium entschlüsselt. Eine Seele wurde nicht gefunden. Das haben wir ja gleich gesagt! Der Mensch ist ein Zusammenschluss von chemischen und physikalischen Prozessen. Auf Ursache folgt Wirkung. Kein Gott.

TRC.TP_A3_RZ.inddWenn wir nun jedoch genau wissen, wie und woraus wir gebaut sind, können wir auch beginnen, uns selbst zu optimieren. Wir können unser eigener Schöpfer, unser eigener Gott sein. Künstliche Intelligenz erschaffen.

[ Transzendenz (von lateinisch transcendentia „das Übersteigen“) bezeichnet in Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft ein Verhältnis von Gegenständen zu einem bestimmten Bereich möglicher Erfahrung (…) Als transzendent gilt, was außerhalb oder jenseits eines Bereiches möglicher Erfahrung, insbesondere des Bereiches der normalen Sinneswahrnehmung, liegt und nicht von ihm abhängig ist. (Wikipedia) ]

Sein eigener Gott sein?!

„Haben die Menschen das nicht schon immer getan?!“ antwortet der geniale Hirnforscher Dr. Will Caster (Johnny Depp) etwas lakonisch zu Beginn des Filmes “Transcendence“ auf die Frage eines besorgten Zuhörers, ob er sich nicht seinen eigenen Gott schaffen wolle. Wenig später wird er im Foyer von eben jenem Fragesteller erschossen. Gleichzeitig explodieren die Forschungslabore seiner wissenschaftlichen Kollegen. Eine terroristische Widerstandsgruppe hat beschlossen, dass die potentielle Gefahr  künstlicher Intelligenz nicht abschätzbar ist und am Ende die ganze Menschheit vernichtet werden könnte. Außerdem sei diese Erschaffung ethisch und moralisch natürlich nicht vertretbar. Caster, der den Anschlag knapp überlebt, hat solche Bedenken nicht. Er ist ein wissenschaftlicher Gutmensch und ein Fortschrittsoptimist. Er ist sich sicher, dass die künstliche Intelligenz alle Probleme der Menschheit heilen kann, dass durch die potentielle Möglichkeit, mittels Vernetzung auf alle geistigen Ressourcen zurückzugreifen, effektive Forschung möglich ist, die alle bislang gekannten Grenzen zum Guten sprengen könnte. Krankheit und Umweltverschmutzung würden schon bald der Vergangenheit angehören.

Es stellt sich heraus, dass die Kugel, welche Caster traf, radioaktiv verseucht war und er innerhalb weniger Tage sterben wird. Seine Arbeit kann er nicht abschließen. In ihrer Verzweiflung transferiert seine Frau und wissenschaftliche Mitarbeiterin Evelyn Caster zusammen mit ihrem kritischen Freund Max Waters in einem waghalsigen Experiment Casters Geist in dessen Computer. Das Experiment gelingt. Kurz bevor die Terroristen das geheime Labor stürmen, erhält das Bewusstsein von Caster, dessen Körper mittlerweile klinisch tot ist, Zugang zum Internet. Caster ist auf einmal überall und hat Zugriff auf alle Daten, kann blitzschnell Informationen verknüpfen, Computer abschalten und Kontobuchungen vornehmen. Sein Geist potenziert sich in kürzester Zeit um ein Vielfaches. Er wird zu einem viral allumfassenden Superwesen, welches bald sogar direkt auf das Bewusstsein von Menschen zugreifen und sie wie Zombies steuern kann.

TRANSCENDENCEWie weit kann man gehen?

Caster wird nicht zur menschenmordenden Supermaschine. Er scheint seinen ursprünglichen Zielen und Charakterzügen treu zu bleiben. Nur dass Mittel und Wege, und vor allem die Geschwindigkeit der Entwicklung für Normalsterbliche nicht mehr nachzuvollziehen sind. Seine Frau wendet sich zunehmend verstört ab. Und dann sind da ja auch noch die Terroristen…

Was darf der Mensch? Wie weit darf er in seine Entwicklung und die der Natur eingreifen? Und was macht ihn aus, den Menschen? Eine der häufig gestellten Fragen in dem Film “Transcendence“ lautet: Woher wissen wir, dass das noch Will ist und nicht nur eine Maschine mit seinen Erinnerungen? Eine Maschine, die vielleicht selber glaubt, Will zu sein. Was macht den Menschen aus? Und hat ein Mensch das Recht, allen anderen seinen Willen aufzudrücken, selbst wenn er nur das Gute will?

Die Grenze ist fließend: Zwischen Science Fiction und Wirklichkeit

Das Regie-Debüt von Christopher Nolans Kameramann Wally Pfister “Transcendence“ stellt elementare Fragen für die nahende Zukunft, welche das Selbstverständnis des Menschen betreffen, nachdem er Gott abgeschafft hat. Was macht den Mensch zum Menschen und was darf er? Eine Identitäts- und Überlebensfrage zugleich. Fragen, die dringend diskutiert werden müssten. Pfisters-Film beginnt in einer Wirklichkeit, die von den heutigen Forschungsbemühungen nicht sehr weit entfernt ist, bevor er ins überbordende Science-Fiction wechselt. Aber wo hier die Grenze genau verläuft, ist schwer feststellbar. Irgendwann ist es außer Kontrolle geraten. Tja, und ist das wiederum nun gut oder schlecht?

Die Geschichte ist geradlinig erzählt. Die Spannung hält sich, durch das wirkliche Fehlen eines fühlbaren Bedrohungsszenarios auf mittlerer Stufe. Reißerisch-explosive Action hält sich in Grenzen. Garniert mit etwas Öko-Kitsch sind es vor allem die aufgeworfenen Fragen und die beeindruckende Optik, die Pfisters-Film sehenswert machen. Und kurz vor dem Ende hat der Film sogar etwas von “Dorf der Verdammten“, jenem alten Horror-Klassiker mit den Kindern, die alle das gleiche tun und alle eins sind. Diese ziemlich realistische Maschinenmensch-Dystopie läuft ab heute im Kino!


Links

Transcendence Webseite
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