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Wie vermehren sich Meerjungfrauen? Fragen Sie Dr. Kürbis

Die Frage:

Lieber Dr. Kürbis,

Wie vermehren sich Meerjungfrauen? Ich meine … na, Du weißt schon.

liebe Grüße Marion


Die Antwort:

Dr Kuerbis-3
Liebe Marion,

da bist Du – aus verständlichen Gründen – nicht die erste, die sich darüber Gedanken macht. Ich kann dir versichern, dass diese Frage schon unter mittelalterlichen Seefahrern für anregende Gesprächsabende sorgte.

Der Begriff Meerjungfrau bezeichnet Wesen, welche einen menschlichen weiblichen Oberkörper besitzen, aber abwärts der Hüfte über einen Fischschwanz mit waagerechter Fluke verfügen. Da die Berichte über Damen mit Fischschwänzen vor allem im Bereich der Sagen und Mythen notiert worden sind, ist es schwierig, sie als einheitliche Gattung zu begreifen. Eine ernsthafte, ausführlich wissenschaftliche Untersuchung und Klassifizierung zu diesem Thema steht noch aus.

Eine Bemerkung am Rande: Nixen verfügen allgemein über keinen Fischschwanz, sondern lediglich über einen schlechten Charakter. Und wie solche Wesen sich fortpflanzen, ist allgemein bekannt.

Für eine Fischfrau gibt es zwei Möglichkeiten sich zu vermehren:

1. Fortpflanzung mit einem menschlichem Wesen

Die meisten Geschichten über Meerjungfrauen handeln – mehr oder weniger – von der Kontaktaufnahme einer Meerjungfrau mit einem männlichen menschlichen Wesen. Dabei geht es immer um Liebes- oder zumindest Beziehungsfragen. Nie schaut die Meerjungfrau mal vorbei, um etwas über das Wetter zu plaudern oder Königstöchter in einen hundertjährigen Schlaf zu versetzen.

Meerjungfrauen-FilmstillEin paar Beispiele gefällig?

Die Undine, ursprünglich ein antiker weiblicher Wassergeist und eine Art antiker Meerjungfrauenvorläufer, kann erst durch eine Verbindung mit einem Menschen eine Seele erlangen. Die Meerjungfrau Melusine zeigt sich nur einen Tag in der Woche als Meerjungfrau. Ihre Fischfrauengestalt trägt sie  ausschließlich am Sonnabend. Sie lebt mit einem menschlichen Mann zusammen, mit dem sie mehrere Kinder (!) hat. In der Harzer Sage “Die Wasserjungfer“ heiratet ein Ritter eine unbekannte Schöne, welche in einem Schloss im Wald wohnt. Jeden Freitag jedoch will sie frei haben. Man ahnt es schon: Es stellt sich heraus, dass es sich bei der schönen Dame eigentlich um eine Meerfrau handelt. Allerdings verbringt auch sie nur einen Tag der Woche (Freitag) in ihrer ursprünglichen Gestalt als Fischfrau. In diesem Fall heimlich in einem Teich im Keller des Schlosses.

MeerfröwleDie bekannteste Meerjungfrau ist jedoch sicher jene aus Hans Christian Andersens Märchen “Die kleine Meerjungfrau“. Auch hier versucht die fischschwänzige Meeresdame eine ernsthafte Beziehung zu einem Menschenmann aufzunehmen. Dafür lässt sie sich menschliche Gestalt verleihen.

Menschliche Verwandlung

In all diesen Erzählungen, verwandelt sich die Meerjungfrau für eine kürzere oder längere Zeit in eine Menschenfrau. Das bedeutet, dass Zeugung und Geburt des Nachwuchses auf menschliche Art und Weise vollzogen werden. Aufgrund der genetischen Veranlagung weist ein großer Teil der gemeinsamen Nachkommen dann körperliche Fischmerkmale auf.

Es ist aber davon auszugehen, dass die Verbindung mit einem Menschenwesen eher die Ausnahme, als die Regel darstellt.

Viel verbreiteter ist die Zeugung von Nachkommen mit einem Wassermann.

2. Fortpflanzung mit einem Wassermann

Der männliche Gegenpart zur Meerjungfrau ist der Wassermann. Sie sind in allen Gewässern der Welt verbreitet. Ihre Gestalt ist mannigfach und vielfältig. Fest steht, dass viele von ihnen ihre Gestalt ändern können, wie z.B. der Ekke Nekkepenn. Mit anderen Worten: auch in einen Fisch. Viele Wassermänner haben jedoch schon von vornherein und ursprünglich einen Fischschwanz. So zum Beispiel die Meermänner aus dem Mittelmeer oder der Havmand. Andere, wie die irischen Mellows haben immerhin Arme in Form von Flossen.

Meermann-und-Meerfrau - Wie vermehren sich Meerjungfrauen
Wenn Meerfrauen sich mit Meermännern (Wassermännern) paaren, ist diese Paarung mit denen von lebendgebährenden Fischarten vergleichbar. Dabei ist bei den Männern die sogenannte Afterflosse als Geschlechtsorgane umgebildet, welches sie in die Meerfrau einführen. Die Afterflosse dient dabei als Samenüberträger und es kommt zu einer inneren Befruchtung. Während des Aktes halten sie sich mit den Armen umschlungen und stoßen laute gurrartige Singlaute aus. Aufgrund der starken körperlichen Rotation während des Geschlechtsaktes, kann es vorkommen, dass das Paar nach Abschluss die Orientierung verliert. So werden sie leichte Opfer für andere eifersüchtige Meermänner oder Motorbootmotoren. Insgesamt ist nur ca. jede zehnte Paarung erfolgreich, was auch die geringe Verbreitung von Meerjungfrauen erklärt. Anschließend wachsen die Jungen im Bauch der Mutter heran und werden nach einer 6 monatigen Tragzeit lebend geboren. Die ersten Monate säugt die Mutter ihre Jungen. Dennoch zählen die Meeresmenschen nicht zu den Säugetieren, sondern werden der Klasse der Fabeltiere zugeordnet.

Abschließend sei gesagt, dass die Bezeichnung Meerjungfrau nichts über die tatsächliche Jungfräulichkeit des Wesens aussagt. Vielmehr entstammt der Terminus mittelalterlichen Vorstellungswelten.

Dein Dr. Kürbis


Du hast auch eine Frage an Dr. Kürbis? Dann schreibe eine Mail an: frage@halloween.de


 

3 Kommentare »

  1. […] halloween.de: Fragen Sie Dr. Kürbis – Teil 35: Wie vermehren sich Meerjungfrauen? (Dr. […]

    Pingback von WobIntoshs Blog » Linkschleuder: Privates Reisen, Meerjungfrauen, Donald Duck — 15. Juni 2014 @ 21:13

  2. Lieber Herr Dr. Kürbis

    Wo kommt denn das Kind raus bei der Meerjungfrau?

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Ágnes

    Comment von Ágnes Hein — 18. September 2016 @ 19:11

  3. Hallo lieber Dr. Kürbis,

    Können Sie bitte Ágnes’ Frage beantworten? Wir warten schon sehr lange sehnsüchtig.
    Bitte.
    Das Mysterium lässt uns alle nicht mehr schlafen – seit 2016!
    Sind Sie sich sicher, dass es sich bei Meerjungfrauen nicht doch um Säugetiere handelt?

    Wir erwarten sehnlichst Ihre Antwort ;-)
    Bald.

    Danke und wässrige Grüße
    Prof. Dr. Dr. SEE-Q

    Comment von SEE-Q — 5. Januar 2018 @ 22:29

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