Fragen Sie Dr. Kürbis! – Teil 10: Wieso gibt es eigentlich nur noch Remakes von Horrorfilmen?

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Die Frage:

Lieber Dr. Kürbis!

„Halloween“, „The Wolfman“, „Nightmare on Elm Street“ etc… Wieso werden wir Horrorfans eigentlich nur noch mit Fortsetzungen oder Aufgüssen alter Filme abgefrühstückt? Ist das Reservoir des Schreckens wirklich schon ausgeschöpft? Haben die Regisseure keine neuen Ideen mehr und wir müssen uns jetzt alle fünf Jahre eine Neuverfilmung von immer dem gleichen Scheiß anschauen?

Auf bald,
Holger


Die Antwort:

Dr.KuerbisLieber Holger,

da stichst Du mit Deinem Finger in eine ganz besonders eitrige Wunde. Nun will ich Dir aber auch dabei helfen, schön tief zu bohren.

Vorneweg möchte ich Dich ein bisschen trösten: Das Fehlen neuer Ideen geht über das von Dir und mir so geliebte Genre des Horrorfilms hinaus! Ok, das ist ein schwacher Trost, aber egal. Wenn man sich die Kino-Veröffentlichungen der letzten Jahre ansieht, scheinen der gesamten Filmindustrie die Ideen fast vollständig ausgegangen zu sein. Da kam auf 1000 Filme höchstens eine Handvoll, die man so noch nicht gesehen hat. Bei dem Rest handelt es sich um Fortsetzungen, Remakes, Reboots, Reimaginations und Re-was-weiß-ichs.

Daran sind aber weniger die Regisseure mit ihren psychoaktiven Rauschmitteln Schuld, als vielmehr die geldgeilen Produzenten. Denn den Produzenten geht es in erster Linie darum, dass ein Film ordentlich Asche abwirft. Deshalb entscheiden sich viele Produzenten lieber für die Neuauflage oder die Fortsetzung eines bekannten Titels, anstatt etwas völlig Neues zu probieren. Wozu ein Risiko eingehen, wenn man die Kohle auch ohne solches und zudem ohne große Anstrengung verdienen kann? Selbst wenn die Remakes von Klassikern wie „Halloween“ oder „Nightmare on Elm Street“ von einigen Fans skeptisch betrachtet und von Kritikern verrissen werden, so wird sich doch ein Teil der Fanbase die Filme anschauen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor und somit gewissermaßen leicht verdientes Geld. Denn selbst wenn der Film unter aller Kanone ist, wird an den Kinokassen und durch Lizenzen bzw. Merchandise noch ausreichend Schotter gemacht. Glücklicherweise gibt es ab und zu aber doch einen Hauch Kreativität auf der Leinwand. Nämlich dann, wenn bewährte Stilmittel so gekonnt verwoben werden, dass gute Filme entstehen. Da fallen mir spontan „Triangle“ (Zeitsprünge) und „Heartless“ (Pakt mit dem Teufel) ein.

Nightmare-RemakeWolfman-RemakeFreitag-13-RemakeValentine-Day


Immerhin etwas kreativer als Remakes sind Fortsetzungen, schließlich muss man sich dafür zumindest ein bisschen was Neues ausdenken, auch wenn man sich praktisch ins gemachte Nest setzt. Und es ist ja auch nicht jede Fortsetzung automatisch schlecht. Insbesondere im Rahmen von Serien funktionieren Fortsetzungen sehr gut, ein blendendes Beispiel dafür ist z.B. die Serie „The Walking Dead“, die bekanntermaßen auf einer Comicreihe beruht. Hier zeigt sich auch, dass Ideen, die in Comics zum Leben erweckt werden, ein riesiges Potenzial haben, denn es zahlt sich aus, dass die Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Leider sind viele Filme und deren Fortsetzungen, die auf Comics beruhen, nur halbherzig inszeniert. Anstatt sich an einem bereits vorhandenen Strang entlang zu entwickeln, wird die originelle Geschichte gekürzt oder umgeschrieben – nur um die Kuh, bzw. Kinogänger ohne großen Aufwand zu melken. Gibt es also tatsächlich keine wirklich kreativen Ideen mehr?

Michael Myers as a Wolfman who has a Nightmare on Elm StreetDoch! Es gibt zarte Nachtschattengewächse, welche abseits der großen Hollywood-Produktionen, im Schatten des Mainstream wachsen. Es handelt sich dabei um solche Werke, die gerne als Trash, als B-Movies oder C-Movies bezeichnet werden. Gerade diese Streifen mit ihren geringen Budgets und ihren abstrusen Handlungen sind es, die uns zeigen, dass es noch Kreativität gibt. Selbst wenn es dabei „nur“ um extrem intelligente, blutdürstige Kraken geht, die eine futuristische Unterwasserstadt im Indischen Ozean bewohnen, den Kürbiskönig anbeten und von Zeit zu Zeit Menschen – am liebsten knapp bekleidete Jungfrauen – von den Stränden Indonesiens entführen, um sie als Sklaven zu halten. Oft kommen gerade die kreativen Ableger aus anderen Kulturkreisen. Ein Beispiel dafür sind die seinerzeit außergewöhnlichen Horrorfilme aus Japan und Korea (wie „Ringu“), die als Vorlage für amerikanische Remakes dienten. Ob uns das mit dem Film „Der große Japaner“ („Dainipponjin“) auch droht, bleibt abzuwarten – ansehen solltest Du ihn Dir auf jeden Fall, wenn Du Kreativität suchst.

Leider treffen derlei „ungewöhnliche“ Filme nicht Jedermanns Geschmack. Deswegen sieht man sie auch nicht in großen Multiplex-3D-Lichtspielhäusern, sondern eher in kleinen Independent-Kintopps oder direkt auf DVD. Auf jeden Fall solltest Du, lieber Holger, Dir ab und an solche Trash-Granaten zu Gemüte führen. Und auch Veranstaltungen wie das Fantasy Filmfest oder Festivals, in deren Rahmen Filme aufgeführt werden, sind eine wahre Fundgrube wunderbar abgefahrener, kreativer und origineller Kunstwerke, die ich Dir hiermit wärmstens ans Herz legen möchte.

Aber natürlich kannst Du Dir auch selber was einfallen lassen und ein Drehbuch niederschreiben. Solltest Du dann noch einen potenten Produzenten finden, der Deinen geistigen Auswurf finanziert: Herzlichen Glückwunsch! Ansonsten wirst Du wohl – wie wir alle – in Zukunft noch mehr wehleiden und klagen, wenn auf den Kinoplakaten steht: „Michael Myers as a Wolfman who has a Nightmare on Elm Street“.

Dein Dr. Kürbis


Du hast auch ein Frage an Dr. Kürbis? Dann schreibe eine Mail an: frage@halloween.de


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