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Der kopflose Reiter – Monster der Welt


Aussehen:

Detaillierte Beschreibungen gibt es nicht. Wozu auch? Beeindruckendes Hauptmerkmal ist das Fehlen des Kopfes! Wer fragt da noch nach modischen Details? Seinen Kopf aber führt er, entgegen weit verbreiteter Vorstellungen, NICHT unter dem Arm mit sich. (Dann könnte er ihn sich ja auch gleich aufsetzen).

In der berühmten Erzählung “Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ von Washington Irving, bewirft der kopflose Reiter einen armen Schulmeister am Ende zwar mit seinem Kopf (Insofern wäre für diesen Teil der Geschichte die Bezeichnung “Kopfloser Reiter“ nicht ganz korrekt. Schließlich führt der Reiter ja seinen Kopf mit sich. Nur an ungewohnter Stelle.) Warum dieses Beispiel eines kopflosen Reiters mit Kopf aber getrost ignoriert werden kann, sollte der geneigte Leser getrost selbst heraus finden. Immerhin ist Irvings klassische Erzählung, die Tim Burton zu seinem Film “Sleepy Hollow“ inspirierte, recht vergnüglich zu lesen.

Aber zurück zu den Fakten: In Irvings Geschichte wird der Kopflose als Geist eines hessischen Kavalleristen beschrieben, dem im Kampf von einer Kanonenkugel (!) der Kopf abgerissen wurde. Nun sucht er Nacht für Nacht auf dem ehemaligen Kampfplatz nach seinem Kopf. (Ein recht erfolgloses Unterfangen, wenn ihr mich fragt. Von einem Kopf, der von einer Kanonenkugel getroffen wurde, dürfte schließlich nicht mehr viel zu finden sein.) In den deutschen Landen wird meist berichtet, dass sich sein Pferd am Horizont dramatisch aufbäume und der Kopflose dabei wie wild mit seinem Hut wedelt. (Vermutlich führt er den Hut mit sich für den Fall, dass er unverhofft seinen Kopf wieder findet.)



Heimat:

Der “klassische“ kopflose Reiter stammt vor allem aus der Rheingegend und Westdeutschland. Auch in Norddeutschland wurden schon Verwandte gesichtet. Es gibt auch eine irische Version mit dem Namen Dullahan. Die Erzählung von Irving spielt dagegen im Hinterland von New York. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Irving die Sage vermutlich während einer Bildungsreise (1806 – 1809) am Rhein kennen lernte und mit in die neue Welt nahm.



Hintergrundgeschichte:

Bei den kopflosen Reitern handelt es sich um Personen, die zu ihren Lebzeiten einen Frevel begangen haben, wofür sie nach ihrem Tode büßen müssen. Oft haben sie sich der nächtlichen Grenzsteinversetzung schuldig gemacht. Bei diesem Delikt versucht man, dem Nachbarn etwas Land abzutrotzen, indem man den Grenzstein einfach ein paar Meter ins Land des Nachbarn hinein versetzt. Eine Möglichkeit, warum die spätere untote Wiederkehr ohne Kopf erfolgt, könnte darin begründet sein, dass eine der möglichen Strafen für Grenzsteinversetzer darin bestand, dass diese am ursprünglichen Standort des Grenzsteines bis zum Kopf vergraben wurden. Anschließend durfte der Geschädigte so lange mit seinem Pflug über den Kopf des Übeltäters pflügen, bis dieser nur noch eine matschige Erinnerung war. Allerdings soll diese martialische Strafe nicht oft vollzogen worden sein.

Es gibt auch eine Version des kopflosen Reiters ohne Pferd. Der kopflose Junker genannt. Er soll zu Lebzeiten ein lüsterner und gewaltsamer Mensch gewesen sein. Eines Tages fand man eines seiner Mägde tot und geschändet auf dem Feld. Obwohl unter Verdacht, konnte man dem Junker nichts nachweisen. Aber schuldig scheint er doch gewesen zu sein. Denn seit seinem Tod muss er bis ans Ende aller Tage (vermutlich) ohne Kopf durch die Gegend ziehen. Als hätte ihm ein unsichtbarer Scharfrichter den Kopf abgetrennt.


Opfer:

Der kopflose Junker belästigt junge Mägde. Ansonsten ist der kopflose Reiter eine überwiegend opferlose Erscheinung. Eigentlich hilft er sogar potentiellen Sündern auf den rechten Weg zurück. Wie nett.


Taktik:

Der kopflose Reiter verlässt sich ganz auf sein eindrucksvolles Erscheinungsbild. Das heißt, im Allgemeinen begnügt er sich damit einfach zu erscheinen, sein Pferd sich aufbäumen zu lassen und etwas herumzuposen. Ab und zu fordert er den erschrockenen Betrachter auf, ihm seinen Kopf wieder zu geben. (Ruhr).

Der kopflose Reiter ist eine Warnfigur. Sein Erscheinen kündigt oft einen nahen Tod an. Meist Demjenigen, dem er erscheint. In vielen anderen Erzählungen erscheint er Zeitgenossen, die gerade eine üble Schurkerei planen, als warnendes Beispiel, um sie von ihrem frevelhaften Tun abzuhalten. Vor allem Zeitgenossen, die sich nachts an den Grenzsteinen ihres Nachbarn zu schaffen machten. Ein anscheinend zu dieser Zeit beliebter Zeitvertreib.

Einmal mehr äußerst unverschämt und übergriffig, erweist sich der kopflose Junker. Von ihm wird berichtet, dass er eines Nachts eine einsame Magd verfolgte, ihr die Hand auf die Brust legte und sagte: „Jetzt habe ich Dein Herz!“. Man fand sie am nächsten Morgen mit einem handgroßen verbrannten Fleck auf dem Oberkörper. Wenige Tage später verstarb sie.


Abwehr:

Da der Kopflose Reiter im Allgemeinen nicht handgreiflich wird, ist eine direkte Abwehr nicht nötig und nicht möglich. Solltest Du dich mit dem Gedanken tragen, nachts den Grenzstein des Nachbarn zu versetzen, um so Deinen Grundbesitz zu vergrößern: Lass es lieber, wenn Du keinen Wert auf die Begegnung mit dem Kopflosen legst. So einfach ist das. Erscheint Dir der Reiter als böses Omen, kann man vermutlich nichts machen. Tut mir Leid. Es wäre evtl. einen Versuch wert, das Haus nicht zu verlassen, denn von einem Kopflosen Reiter, der Hausbesuche macht, hat man nun wirklich noch nicht gehört. Aber vermutlich ist es das nicht wert. Die Gegenden, in denen sich der Kopflose Junker herumtreibt, sollte man als junge Frau (von älteren ist in solchen Erzählungen nie die Rede) ab Einbruch der Dunkelheit besser meiden.



Sonstiges:

Eine weitere Erklärung für die Kopflosigkeit des Reiters, hängt damit zusammen, dass es sich bei dem Reiter um einen Büßenden handelt. Im Mittelalter glaubte man, dass die Seele des Menschen im Kopf sitzt. Wenn nun der Kopflose das Fegefeuer verließ, um auf Erden ein warnendes Beispiel abzugeben, blieb sein Seele (also der Kopf) als eine Art Pfand weiter in der Vorhölle gefangen.

Beim Fegefeuer handelt es sich um eine Läuterungshölle, in der Sünder die Möglichkeit habe,n für ihre Untaten zu büßen und anschließend bei guter Führung am Tag des jüngsten Gerichtes doch noch Erlösung zu erlangen.

 Kopfloser Reiter Kostüm Kopfloser Reiter mit Pferd Kostüm



Schrecklevel: 9 von 13

Die Erscheinung ist eindrucksvoll. Daran ändert auch die Feststellung „Hunde, die bellen beißen nicht“ nichts. Man beachte: Wer einmal vom Kopflosen beim heimlichen Grenzsteinversetzen erwischt wurde, dachte, anschließend nicht mal mehr im Traum daran, sich am Land des Nachbarn zu bereichern. Das spricht eindeutig für die Erscheinung. Auch, dass sich niemand der Betroffenen darüber Gedanken machte, wozu ein Kopfloser einen Hut benötigt oder wie in alles in der Welt er ohne Mund sprechen kann, zeigt, dass der Eindruck seines Auftretens größer ist, als das Komische an der Erscheinung.


6 Kommentare »

  1. Der Reiter war zwar schon immer meine Lieblingshorrorfigur (natürlich nach Dr. Kürbis) aber was erlaubt er sich eigentlich in den Filmen immer deinen Kopf rumzuschmeißen Dr. Kürbis?

    Comment von Heiko Gabriel — 13. Oktober 2012 @ 15:16

  2. Nun, Heiko Gabriel! Man kann nur vermuten, dass er schlicht nicht der allerhellste ist. Schliesslich müsste ihm klar sein, dass auch der stabilste Kopf bei solch einer Behandlung dauerhaft schaden nimmt. Und wer kann dann noch klar denken?! Dein Kürbiskönig

    Comment von Der Kürbiskönig — 15. Oktober 2012 @ 11:02

  3. [...] Ein kopfloser Reiter versetzt den Schulmeister eines kleinen Tales in Angst und Schrecken, ein verfluchter Kapitän muss angenagelt an den Mast seines Schiffes auf ewig die Weltmeere durchkreuzen, ein geheimnisvolles Puppenhaus erwacht jede Nacht zum Leben und scheint eine grausame Geschichte zu erzählen. [...]

    Pingback von Ach wenns mich nur gruselte – Das neue Gänsehaut Lesebuch – Halloween.de — 25. April 2013 @ 14:22

  4. Die korrekte Bezeichnung lautet meiner Meinung nach “Dull’ahan”

    Comment von Das Mädel im Sarg — 15. Juni 2013 @ 21:49

  5. […] Der kopflose Reiter ist eine Sagenfigur, deren Erzählungen überwiegend aus dem westdeutschen Raum, genauer, aus dem Rheinland stammen. Weltweit bekannt wurde er durch die berühmte Erzählung “Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ (The Legend of Sleepy Hollow, 1820) von Washington Irving, welche im Hinterland von New York spielt. Die Inspiration dazu kam dem amerikanischen Autor bei einem Besuch des Rheinlandes, wo er sie mit Motiven einer Rübezahl-Erzählung kombinierte. Die Hauptfigur ist jedoch kein gut aussehender, langhaariger, paranormaler Detektiv, sondern ein etwas vertrockneter armer Schulmeister, welcher der gut betuchten Dorfschönsten den Hof macht und darüber in einen Konflikt mit einem jugendlichen Nebenbuhler gerät. […]

    Pingback von Sleepy Hollow: Der Kopflose reitet wieder – im Fernsehen – Halloween.de – Das Halloween & Horror Magazin – Halloween.de — 5. Februar 2014 @ 9:10

  6. In Norwegen gibt es eine Legende, dass es in einem Wald in der Nähe von Trondheim einen Halbtroll ohne Kopf gibt.

    Comment von GENERAL GOTHMOG — 23. September 2015 @ 14:47

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