Zwei Spukhäuser und ’ne Killerknipse – drei DVD-Premieren im Test

0

Nein, der Horrorfilmfan hat es diesen Kinosommer wirklich nicht leicht. Mit „Insidious“ startet Ende Juli der einzige Gruselstreifen des Monats, danach dauert es wieder vier Wochen, bis dann endlich „Final Destination 5“ über die Leinwand flimmert. Zum Glück sieht es auf dem Heimkinomarkt nicht so mau aus: Heute haben gleich drei Werke Premiere. Ob die was taugen, liest Du hier.

Destination Death

Ein Haufen unsympathischedestinationr Jugendlicher (sorry, aber schau Dir doch nur mal das Bild an) macht Urlaub in Marokko. Obwohl wir im Zeitalter des Handys leben, will uns der Film weismachen, dass niemand von ihnen eine Kamera am Start hat. Nee, is klar! Im Hinterzimmer eines Basars entdecken sie dann aber eine preiswerte Sofortbildkamera aus den 60er Jahren. Gekauft – geknipst, der Urlaub kann beginnen. Dummerweise stellen die Jungs und Mädels zu spät fest, dass ein fieses kleines Geheimnis im Preis mit inbegriffen ist: Jeder, der von der Schnäppchen-Kamera fotografiert wird, stirbt kurz darauf einen grausamen Tod. Was ist da los? EHEC auf der Linse? Geht Karl Lagerfeld um und killt jeden, der vor der Kamera einfach nur scheiße aussieht? Die Kids müssen jetzt ganz schnell hinter das Geheimnis des Apparats kommen, sonst ist es für sie alle zu spät! *dramatische Musik*

„Destination Death“… Destination… hmmm, woran erinnert uns das nur? Es ist einfach herrlich, wie der deutsche Filmverleih uns hier für dumm verkaufen will, im Original heißt der italienische Horrorfilm einfach „Smile“. Das ist aber nicht die einzige Frechheit, die sich die DVD leistet. Das dicke FSK 18-Logo auf der Hülle bezieht sich nämlich nicht etwa auf den Film, nein, nur der Trailer von „I Spit On Your Grave“ auf der DVD ist ab 18, der Film selbst ist ab putzigen 16 Jahren. Und so kriegst Du nicht etwa den angekündigten Slasher im Stil von „Freitag, der 13.“ geboten, sondern einfach nur einen holprigen 08/15-Abzählreim des Todes, in dem die Morde nur im Ansatz gezeigt werden. Spannung ist Mangelware, originelle Todesarten nicht vorhanden und das einzig erschreckende am Film sind die Dialoge. Also leider zu Recht direkt auf DVD gelandet und damit nur extrem eingeschränkt von uns zu empfehlen.

Destination Death
Erhältlich ab 7. Juli 2011
DVD 13€, Blu-ray 17€

Eingemauert

walldSam Walczak ist jung, weiblich und Abrissexpertin. Die wandelnde Männerfantasie kommt frisch vom College und kriegt von ihrem Vater gleich einen dicken Brocken vorgesetzt. Einen dicken Betonbrocken. Der riesige graue „Malestrazza“-Komplex im Nirgendwo soll endlich aus der Welt geschafft werden, deshalb fährt Sam allein in die Einöde und bedauert bald ihre Berufswahl. Der düstere Betonklotz ist ihr nämlich unheimlich, zudem sind die letzten Bewohner total gemein zu ihr. Nur der junge Jimmy ist nett, woran das wohl liegen mag? Der Hochhaus-Casanova erklärt ihr auch sofort die Hausregeln, nach denen sie niemals das Dach betreten darf und auch den achten Stock meiden soll. Ist ja auch gar kein Problem für eine Abrissmanagerin, mal ein ganzes Stockwerk nicht zu vermessen, dass wird später sicher von alleine zusammenfallen. *Augenroll* Sam wird daraufhin neugierig und erfährt im Internet, dass Architekt Malestrazza ein Wahnsinniger war, der Menschen lebendig eingemauert hat. Und zuletzt soll er selbst Opfer seines Betongrabes geworden sein. Wie auch immer das gehen soll. Als sich Sam auf Spurensuche im Gebäudekomplex begibt, landet sie plötzlich in einem Labyrinth hinter den Mauern. Doch der Rückweg ist versperrt. Und Sam macht eine Entdeckung, die sie erschüttert. *andere dramatische Musik*

Zugegeben, das karge, düstere Gebäude ist als Schauplatz wirklich außerordentlich gelungen. Die langen, leeren Gänge, die endlosen Treppen und das erdrückende Neonlicht drehen ordentlich an der Atmosphäre-Schraube. Vergleiche mit „Shining“ würden sich da anbieten, allerdings trennen beide Filme Universen, so dass wir jetzt doch keine „Shining“-Vergleiche ziehen. So! Nach einem vielversprechenden Start geht „Eingemauert“ nämlich ganz schnell die Puste aus. Die Story wirkt schnell beliebig und irgendwie bekannt, zudem kann sich das Drehbuch nicht zwischen rationaler und übernatürlicher Erklärung der Ereignisse entscheiden, was Dich am Ende ziemlich unbefriedigt zurücklassen wird. Und Apropos befriedigt: Warum Hauptdarstellerin Mischa Barton („O.C., California„) auf dem Cover unbedingt einen Bikini tragen musste, verstehen wir auch nicht. Spricht aber nicht unbedingt für den Glauben des Verleihs an den eigenen Film. Leider auch nur eine mäßige DVD-Premiere für extrem verregnete Sonntage.

Eingemauert
Erhältlich ab 7. Juli
DVD 10€, Blu-ray 15€

The Silent House

Die junge Laura soll the-silent-housegemeinsam mit ihrem Vater ein altes Haus entrümpeln, damit der Besitzer es später verkaufen kann. Als es Dunkel wird, müssen die beiden in dem verfallenen Gebäude übernachten. Da alle Fenster mit Brettern vernagelt sind, beginnt sich Laura schnell unwohl zu fühlen. Plötzlich hört die junge Frau seltsame Geräusche aus dem Obergeschoss, das man wegen des kaputten Fußbodens eigentlich gar nicht betreten kann. Als ihr Vater nach dem Rechten schaut, kehrt er nicht mehr zurück. Für Laura beginnt damit eine Nacht des Grauens, denn das alte Gemäuer birgt ein dunkles Geheimnis, das ihr bald nach dem Leben trachtet… *keine dramatische Musik, weil der Film toll ist*

Ja, alle guten Dinge sind manchmal wirklich drei: „The Silent House“ ist ein Nägelkauer der alten Schule, der sich hinter aktuellen Genre-Größen wie „Paranormal Activity“ nicht zu verstecken braucht. Der Geheimtipp aus dem fernen Uruguay baut eine Stimmung auf, die Dich schon nach wenigen Minuten völlig in ihren Bann zieht. Weil die Kamera das Geschehen in einem durchgängigen Take aufnimmt und dabei immer ganz nah an der Protagonistin klebt, erlebst Du den Terror im Haus am eigenen Leib. Hauptdarstellerin Florencia Colucci legt eine umwerfende One-Woman-Show aufs verfallene Parkett, die noch lange nachwirkt. Ihre Odyssee durch das leise Haus wird Dir mehr als einmal einen ordentlichen Schrecken einjagen. Wenn Du auf beklemmenden Psychogrusel stehst, solltest Du schleunigst einchecken. Unsere vollste Empfehlung!

The Silent House
Erhältlich ab 7. Juli
DVD 15€, Blu-ray 20€

Vorheriger ArtikelFragen Sie Dr. Kürbis! – Teil 13: Warum ist das umgedrehte Pentagramm ein Satanssymbol?
Nächster ArtikelZombieklatsche – „Dead Block“ erscheint für die Konsole

Hinterlasse eine Antwort

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.