Und ewig wackelt die Kamera – weltweite Pseudo-Dokus lehren Dir das Fürchten

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blair-witchWer Horrorfilme mag, kommt einfach nicht an ihnen vorbei: die Mockumentaries. Mit Wackelkamera und dem Hinweis, man hätte dieses Filmmaterial erst kürzlich bergen können, wird dabei so getan, als wäre der Film eine echte Dokumentation. Seitdem „Blair Witch Project“ 1999 mit dieser Masche einschlägt wie eine Bombe, sorgen Filme dieser Machart regelmäßig für Gänsehaut. Nach Zombie-Doku („Rec„, „Diary Of The Dead„), Monster-Doku („Cloverfield„), Serienkiller-Doku („Mann beißt Hund„), Kannibalen-Doku („Nackt und zerfleischt„), Exorzisten-Doku („The Last Exorcism„) und Spuk-Doku („Paranormal Activity„) könnte man glauben, das Stilmittel hätte sich nun wirklich langsam abgenutzt. Doch Filmemacher auf der ganzen Welt sind nach wie vor begeistert von der preiswerten, aber gleichzeitig äußerst atmosphärischen Erzählmethode. Und so kriegen wir auch in den nächsten Monaten ein paar wackelige, grobkörnige Bilder aus fernen Ländern um die Ohren gehauen, die uns unter Umständen schlaflose Nächte bereiten werden.


Im April kommt der Film „Troll Hunter“ aus Norwegen zu uns rübergeschippert. Darin möchte eine Gruppe junger Studenten eine Doku über Bärenwilderer drehen, stößt aber bald auf einen alten norwegischen Mythos: Trolle. Und schon werden die entspannten Dreharbeiten zum spannenden Überlebenskampf… Die unverbrauchte Umgebung des skandinavischen Hinterlands und die originellen Filmmonster sind auf jeden Fall ein dicker Pluspunkt für dieses Werk. Und sofern die turmhohen Viecher nicht allzu reinkopiert wirken, könnte das Ganze richtig spaßig werden.

Ebenso unverbraucht vom Setting ist „Apollo 18“ aus den USA. Nachdem das Mondprogramm der NASA 1972 offiziell eingestellt wird, fliegen ein Jahr später noch einmal zwei Astronauten zum Erdtrabanten, um einen Geheimauftrag zu erledigen. Dort oben machen sie aber bald eine tödliche Entdeckung. Die Hightech-Kulisse und die verwaschenen Bilder lassen den Film wunderbar authentisch wirken. Allerdings könnte die begrenzte Raumkapsel, in der sich die Handlung abspielt, schnell den Eindruck eines Schultheaters erwecken. Die Macher werden uns da hoffentlich mit netten Einfällen bei Laune halten.

Ganz und gar herkömmlich, aber deshalb nicht unbedingt uninteressant, ist „Atrocious„, eine spanisch-mexikanische Koproduktion. Der Film handelt von einigen Jugendlichen, die im Landhaus ihrer Eltern das Verschwinden eines jungen Mädchens untersuchen, dabei jedoch grausam ermordet werden. Die Polizei findet heraus, dass die Kids die letzten Tage praktischerweise permanent durchgefilmt haben. Und weil man solche Aufnahmen gern der Öffentlichkeit präsentiert, dürfen wir einfach mal reinschauen. Das große Haus und der riesige Garten sind eine tolle Umgebung für einen Gruselfilm. Der Trailer lässt aber befürchten, dass ganz schön viel gerannt und gewackelt wird. Reisetabletten also Sicherheitshalber griffbereit halten.

Mit unerklärlichen Ereignissen schlägt sich auch eine Gruppe Geisterjäger in „Grave Encounters“ aus Kanada herum. Die Crew einer Geister-Reality-Show filmt eine neue Episode in einer verlassenen Nervenklinik, weil es dort angeblich zu vermehrten Erscheinungen kommt. Zusammen mit ihrer Hightech-Ausrüstung und jeder Menge Kameras schließen sie sich über Nacht in der verspukten Klapse ein. Keine prächtige Idee, denn bald terrorisiert das alte Gebäude die Filmleute bis aufs Blut. Der Clou dieses Films ist, dass die Optik des Materials und die Methoden der Geisterjäger an gängige TV-Formate wie „Ghost Hunters“ erinnern und damit absolut überzeugend wirken. Könnte ein Schocker werden.

Und sogar im fernen Uruguay ist man von dem Handkamera-Stil so begeistert, dass man dort „The Silent House“ inszeniert hat, der erfolgreich auf dem letzten „Fantasy Filmfest“ lief. Basierend auf einem wahren Fall aus den 40er Jahren (wer weiß), erzählt der Film von Laura und ihrem Vater, die ihr neu erworbenes Haus renovieren wollen. Doch auch diese Behausung birgt ein dunkles Geheimnis, das die Instandsetzungsarbeiten bald empfindlich stört. Besonderheit dieses Werks ist seine wegweisende Filmmethode: Es wurde in einer durchgehenden Aufnahme gedreht. Das könnte dazu führen, dass wir uns als Zuschauer dem Schrecken noch mehr ausgeliefert fühlen, weil es nun gar kein Entkommen mehr gibt. Auch hier wird uns wohl ein herrlich beklemmendes Werk erwarten.

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3 Kommentare

  1. Super gute Filme werden hier angesprochen, danke für die Bereicherung.
    Darf ich den Namen des Verfassers erfahren oder ist das Anonym?
    lG

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